Was sagt mir 'Gott'?
Solidarität
Was Gott mir bedeutet, kann ich nur ganz persönlich und ganz konkret beantworten. Das will ich mit einem Gleichnis aus dem Lukas-Evangelium tun: Es ist das Gleichnis von der „hartnäckigen Witwe". Diese Witwe bedrängt einen hartherzigen und kalten Richter so lange, bis er ihr Recht verschafft. Und das, obwohl der Richter ungläubig ist und Gott und die Gesetze nicht achtet.
Dieses Beispiel hat mich gelehrt: Wenn man etwas erreichen will, darf man nie nachlassen, muß sein Anliegen immer wieder vortragen und keine Chance dazu ungenutzt lassen. Als Entwicklungspolitikerin muß ich langfristig denken und mich mit Hartnäckigkeit für mein Ziel einsetzen. Mein Ziel ist es, zur Schaffung einer gerechteren Weltordnung beizutragen. Diese gerechte Weltordnung ist das, was Gott uns Menschen aufgetragen hat und was ich mit dem Begriff Solidarität verbinde. Solidarität der Reichen mit den Armen, der Starken mit den Schwachen. Wir haben die Aufgabe, diese Solidarität praktisch umzusetzen. Das bedeutet für mich, daß ich mit Ausdauer und gegen manchen hartnäckigen Widerstand für eine drastische Verringerung der Armut eintrete. Dazu müssen beispielsweise gerechtere Handelsbedingungen für die Entwicklungsländer geschaffen werden. Nur wenn wir keine subventionierten Agrarprodukte in Entwicklungsländer mehr exportieren, und nur wenn wir lokale Märkte stärken, geben wir diesen Ländern die Möglichkeit, sich tatsächlich zu entwickeln. Solidarität bedeutet für mich auch, daß ich den Einfluß und die Gestaltungsmöglichkeiten von Entwicklungsländern in internationalen Gremien wie der Weltbank gestärkt sehen möchte.
Daß Gott ausgerechnet eine Witwe, ein schwaches Glied in der damaligen Gesellschaft, die keinen Ehemann als Fürsprecher hatte, als Vorbild gewählt hat, ist für mich besonderer Ansporn, mich für die Rechte von Frauen einzusetzen. Frauen sind bisher nirgendwo auf der Welt den Männern vollkommen gleichgestellt, auch nicht hier bei uns. Dabei ist Gleichberechtigung der einzige Weg, wie die Entwicklung von Ländern und Gesellschaften vorangebracht werden kann. Der jüngste Entwicklungsbericht über die arabischen Länder zeigt, daß dortige Defizite vor allem mit der mangelnden Beteiligung von Frauen und Mädchen an Bildung, Wirtschaft und Politik zusammenhängen. Deshalb setze ich einen Schwerpunkt auf Frauen- und Mädchenförderung in Entwicklungsländern. In Afghanistan engagiert sich das Bundesentwicklungsministerium für Mädchenschulen, im Jemen werden Frauen zu Hebammen ausgebildet, und in vielen Ländern erhalten Frauen Kleinkredite zum Aufbau von kleinen Betrieben und Unternehmen. Rückschläge gehören zum politischen Alltag und lassen sich nicht immer beeinflussen. Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Darüber hinaus gibt es immer wieder Erfolge. So sind zum Beispiel 2002 nach einer dreijährigen Stagnation zum ersten Mal wieder die öffentlichen Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit in den OECD-Ländern gestiegen. (OECD = Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung; Sitz in Paris). Oder: Der Anteil der jungen Mädchen, die lesen und schreiben können, ist in den ärmsten Ländern dieser Welt in den vergangenen zehn Jahren von 60 auf 69 Prozent gestiegen. Diese Erfolge geben mir immer wieder das Gefühl, daß meine Hartnäckigkeit nicht vergebens ist. Und ich werde dazu aufgefordert, auf meinem Weg voranzuschreiten und für eine gerechte Weltordnung in Solidarität zu streiten.

Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Heidemarie Wieczorek-Zeul
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