Was sagt mir 'Gott'?
Ein Blick durch das Fenster der Trasnzendenz
Es ist nicht leicht, von "Gott" zu sprechen, den Begriff sprachlich zu fassen. Zumal als Naturwissenschaftler und Physiker, da uns hier eine geübte, professionelle, differenzierende Sprache fehlt. Um nicht nur "über" Gott zu sprechen und damit über uns hinweg.
Die Frage nach Gott im 21. Jahrhundert begreife ich zunächst als die Frage nach dem Leben. Sie hält das Wunderbare des Lebens offen, nicht als übernatürliches Wunder, sondern als das Besondere und als das Ganze des Gegenwärtigen in der Natur. Hier stoße ich auch als Naturwissenschaftler immer wieder an Grenzen, auch an die Grenze der Sprachlosigkeit. Das Besondere läßt mich staunen, die Perspektive des Ganzen kann ergreifend sein. Ich denke dann, daß hier so etwas wie der "Glanz Gottes" hindurchscheint: Im Menschen, im Tier, im Kosmos, im ganz Großen wie im ganz Kleinen der Natur. "Gott" wäre so vielleicht eine Chiffre, ein ziemlich reales Symbol für die komplexe Frage nach dem Ganzen, nach der Tiefe des Lebens, nach dem Prozeß des Werdens, nach der Evolution des Ganzen. Und dort sind auch wir Menschen als Zeit- und Prozessgestalten eingebunden in die universelle Evolution des Lebens, die ich gerne als fortwährende Schöpfung ansehen möchte. Die Chaos- und Selbstorganisationstheorien, die Kosmologie und Astrophysik sind aus meiner Sicht noch ganz und gar unausgeschöpfte Gesprächsangebote an Religion und Theologie.
Der Theologe Paul Tillich bietet dem religionsfernen Menschen vielleicht eine begehbare Brücke zu Religion und Gott an: "Nennen Sie es Gott oder das Leben!", sagt er. Wie eine russische Puppe enthält die Frage nach Gott für mich viele grundlegende Fragen nach dem Leben und dem Menschen, nach seinem Erkenntnisvermögen und seinem Ort im Ganzen: Was können wir wissen? Was dürfen wir hoffen? Was sollen wir tun? - Was ist der Mensch? Uralte Fragen, später von Immanuel Kant gebündelt, die durch unser neues naturwissenschaftliches Wissen durchaus nicht überholt sind.
Die jüdisch-christliche Tradition - und sicher auch andere Religionen -, hält, so scheint mir, die uralten Fragen lebendig. Sie erinnert daran, daß Leben mehr ist, als dieses Leben lebt, daß wir nicht aus uns sind, daß ein Mehr da ist, ein sich immer weiter entfaltendes Mehr im Meer der Zeit. Kann der wissenschaftlich tiefe Blick in die Natur nicht letztlich als ein Blick durch das Fenster der Transzendenz verstanden werden? Das elementare Staunen im Erkennen hatte Carl-Friedrich von Weizsäcker als spirituelle Grunderfahrung immer wieder hervorgehoben: "Die Physik hat die Geheimnisse der Natur nicht eliminiert, sondern sie hat in tieferliegende Geheimnisse geführt." Wäre es nicht lohnenswert, diese Gesprächsangebote weiterzuführen?

Jan C. Schmidt,Dr. rer. nat., Diplom-Physiker, geboren 1969. Seit 1999 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Interdisziplinäre Technikforschung und am Institut für Philosophie der TU Darmstadt. Schwerpunkte seiner Arbeit sind u. a. Chaostheorie, Ethik, Dialog zwischen Naturwissenschaft und Religion; zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt "Der entthronte Mensch?" (mit Lars Schuster, Paderborn 2003),"Technik und Demokratie" (mit Kirsten Mensch,Opladen 2003), "Zukunftsorientierte Wissenschaft" (mit Wolfgang Bender, Münster 2003).
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