Was sagt mir 'Gott'?
Das "Noch nicht"
Gott sagt mir, daß Christen nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht haben, sich am politischen Leben zu beteiligen. Der Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben, aus dem Hier und Jetzt, ist nicht der richtige Weg. Dabei gibt es kein Monopol, auch kein Parteimonopol auf christliche Politik, aber es gibt Politik und Politiker aus christlicher Verantwortung heraus. Diese Verantwortung bedeutet, daß das Eintreten für die Grundwerte der katholischen Soziallehre gefordert ist: das Recht auf Leben, das Recht auf Familie, auf Elternschaft samt Elternrecht, das Recht auf Ehe und vor allem die gefährdeten Lebensrechte - Stichwort Bioethik und Sterbehilfe. Hier ist das Einmischen der Christen gefordert, das Hinschauen, nicht das Wegschauen.
Die Herausforderungen, die das Christentum uns auferlegt, müssen wir annehmen. Christsein hat immer auch etwas Irritierendes, etwas Beunruhigendes, manchmal sogar etwas Provokantes an sich. Man spürt diese Schwierigkeiten beim Verteidigen des Wertes der Gerechtigkeit, der immer im Christentum dominant war. Diese Frage begleitet uns. Man kann es in andere Worte kleiden, etwa in Solidarität oder Nachhaltigkeit, aber das Thema bleibt wichtig und bedeutend.
Eng damit verbunden ist die Frage des Individuums. Miteinander in der Politik bedeutet aus christlicher Sicht, daß der Einzelne wichtiger ist als das Kollektiv, daß die Person unverwechselbar, ja geradezu einmalig ist, wenn sie auch gemeinschaftlich eingebunden sein muß.
Daraus ergibt sich eine besondere Aufgabe: Den Blick über etwas hinaus wahren, über den Tag, über ein ganz konkretes Problem hinaus. Das ist entscheidend: Für Christen gibt es immer eine Situation des "noch nicht" und eine Situation des "nach mir".
Der christliche Weg führt niemals an etwas vorüber, sondern immer durch etwas hindurch. Unbeliebte Dinge wie Krankheit und Leid werden zu oft ausgeblendet. Das Christliche heißt immer: da muß man durch. Das bedeutet für politisches Denken und Tun, dass wir nicht den Weg des geringsten Widerstandes zu wählen haben. Das mag ein Weg sein, der nicht direkt zum nächsten Wahlerfolg führt, aber es ist ein Weg, der auch auf die Rücksicht nimmt, die nach uns leben wollen und eben noch nicht wahlberechtigt sind.

Wolfgang Schüssel, geb. 1945, Dr. jur., österreichischer Bundeskanzler. Er studierte an der Universität Wien und wurde 1968 promoviert. Seit 1979 gehört er als Abgeordneter der ÖVP dem Nationalrat an. 1989 wurde er Bundesminister für wirtschaftliche Angelegenheiten, 1997 Bundesminister für auswärtige Angelegenheiten. Im Februar 2000 wurde er zum österreichischen Bundeskanzler gewählt. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.
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