Was sagt mir 'Gott'?

Wenn ich über mich als Menschen nachdenke, wie ich in diesem Moment der Geschichte lebe, ist die Existenz und Gegenwart Gottes eng mit dieser „Geschichte" verbunden. Zweifellos hat die Suche nach dem Sinn das Menschengeschlecht seine ganze Entwicklung hindurch begleitet. Gottes Gegenwart hat sich ganz natürlich unserer verstandeswie gefühlsmäßigen Einsicht aufgedrängt.
Ich will jedoch nicht zu weit in die menschliche Vergangenheit zurückgehen. Wenn ich mich als Europäer betrachte, als Erben der Kulturen, die den Kontinent seit Jahrtausenden geprägt haben, finde ich Gottes Wesen in den Vorstellungen von der Welt und der Ethik, also in allem, was auch meine heutigen Überzeugungen trägt - und mich als Menschen ausmacht.
Von den verschiedenen Göttern, die die Religionen der ersten Völker geprägt haben, bis hin zum einen Gott der drei monotheistischen Religionen, die in unterschiedlicher Weise auf unserem Kontinent zusammengeflossen sind, hat diese „Gegenwart" Gottes das Entstehen der großen europäischen Kulturen und auch der Kultur, die heute Europas Identität ausmacht, beständig begleitet und illustriert.
Natürlich wurde der Gott der Christenheit für die Bräuche, Gesetze, die sozialen Bindungen, die Ideen von Brüderlichkeit und Solidarität, die so typisch für unseren Kontinent sind, in Anspruch genommen. Er hat uns auch als Vorwand gedient: für die Freiheit, uns in seinem Namen zu bekriegen und die dunkelsten Augenblicke unserer Geschichte zu begehen - all das scheint noch kein Ende gefunden zu haben. Und doch beruft sich die am Ende eines Konfliktes aufdrängende Notwendigkeit zur Versöhnung und zum friedlichen Miteinander auf die großen, „revolutionären" Werte der Religionen und den ihnen innewohnenden, transzendenten Gottesbezug. Es sind dies die Werte der Liebe, der Barmherzigkeit, der Gleichheit, der Freiheit, der Solidarität. Diese Werte sind es, auf denen die Rechte und Pflichten der Menschen beruhen, die zu verkünden und zu gewährleisten sich der Europarat zur Aufgabe gemacht hat...
Lassen Sie mich zum Schluß auch an all die vielen, von Gott inspirierten Werke erinnern: an herrliche Bauwerke, an unzählige Manifestationen künstlerischen Schaffens, an Feierlichkeiten und Zeremonien, die uns in ihrer Vollendung mit dem in Verbindung bringen, was wir selbst an „Göttlichem" in uns haben. Dieses „Göttliche" macht uns bewußt, daß unser Leben nicht nur einen Sinn hat, sondern eine Bestimmung, nämlich ein Leben jenseits des irdischen Lebens.

Walter Schwimmer, Dr. jur., geboren 1942 in Wien, ist Generalsekretär des Europarats in Straßburg.
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