Was sagt mir 'Gott'?
Wider allen Zweifel
In der Osternacht irritiert mich immer wieder die Lesung aus dem Buch Exodus, die vom Untergang des ägyptischen Heeres im Schilfmeer berichtet und zugleich vom Lobpreis des geretteten Volkes. Jedesmal denke ich: Was konnten die armen Kerle dafür? Die Auferstehungsfeier konfrontiert zugleich mit Triumph und Tragödie. Wer fragt die US-Soldaten und die irakischen Polizisten, die von Fanatikern ermordeten Zivilisten in Bagdad, Tel Aviv und im Gaza-Streifen? Es ist die millionenfach gestellte Frage nach Sinn und Ursprung des Leides: Ein kleines Kind ertrinkt; 30000 Menschen fallen einem Erdbeben zum Opfer; ich denke an Auschwitz, Dresden oder Hiroshima. Leid ist auch die kaum beachtete Qual der Tiere. Wo ist Gottes Allmacht und Liebe in einer Welt, in der einer davon lebt, daß er den anderen schlachtet und verzehrt? Es hilft mir wenig, wenn ich höre: Gott nimmt das Leid nicht weg, er nimmt es auf sich. Im Gegenteil: Was ist das für ein Vater, der seinen Sohn opfert, damit die Welt erlöst wird? Was sagt mir Gott? Eine doppeldeutige Frage. Sie kann heißen: Was spricht er zu mir? Oder: Was bedeutet er für mich? Er spricht zu mir, wenn ich die Frohe Botschaft als sein Wort akzeptiere, aufgeschrieben Jahrzehnte nach Christi Tod. Sie ist kein Protokoll, keine Tonaufzeichnung. Sie besteht aus Geschichten, die ich glauben soll - glauben darf? Je älter ich werde, umso mehr Fragen tauchen auf. Mache ich mir etwas vor wie Legionen Menschen vor und neben mir, weil wir ohne eine letzte Zuflucht nicht leben können, die wir Gott nennen?
Es ist Ostern. Ich höre die Emmaus-Geschichte. Da sind zwei unterwegs. Einer heißt Kleopas, der Name des anderen wird nicht genannt. Ich könnte es sein. Ein Fremder gesellt sich zu uns.Wir haben Schreckliches erlebt. Den Tod eines Menschen am Kreuz.
Auch heute erleben wir viele kleine Tode: Sorgen über Menschen, die uns wichtig sind, Ratlosigkeit über die Verfassung der Welt, Krankheit und Gebrechlichkeit. Aber irgendwann, wenn es sich fügt, erkennen wir ihn.
Irgendwann bedarf es eines Willensaktes: Wirf dich hinein in die Ungewißheit, glaube wider allen Zweifel, vertraue wider allen Augenschein. Schau auf die ungezählten Akte der Liebe. Sei dankbar für alles Gute und Schöne. Und manchmal erinnere ich mich: Ich liege im Krankenhaus, draußen wird es allmählich hell. Ich werde ganz gelassen und sage: Du, ich brauche Dich. Ich lasse mich fallen in Deine Hand. Auch wenn ich Dich mit meinem Verstand nicht erfassen kann, in der Tiefe meiner Seele will ich Dich spüren.

Volker Wörl, geb. 1930 in Eger, verheiratet, drei Söhne, drei Enkelkinder.Diplom-Volkswirt. Seit mehr als 50 Jahren Journalist, Redakteur bei dpa, anschließend von 1957 bis 1995 Wirtschaftsredakteur in der „Süddeutschen Zeitung", die letzten 15 Jahre in leitender Funktion. Buchautor von „Deutschland ein neurotischer Standort?". Von 1972 bis 1990 kommunalpolitisch tätig als Gemeinderat in Vaterstetten.
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