Was sagt mir 'Gott'?
Bergendes Nichts
Wenn ich "Gott" sage oder denke, entsteht in mir die Vorstellung von einem "überweltlichen" und "übermenschlichen" Wesen, dem ich als "kleiner Mensch" gegenüberstehe. Und wenn ich in der Kirche "Predigten" höre und die Liturgie mitverfolge, begegne ich dieser Vorstellung auf Schritt und Tritt. Aber gehört ein solches Bild nicht einer vergangenen Zeit an? Impliziert es nicht ein Weltbild, das lange schon - seit Beginn der Neuzeit - aufgegeben werden mußte? Regredieren wir in diesen Vorstellungen und bei diesem Reden nicht in eine Zeit, über die wir in unserem Tagesbewußtsein längst hinweg sind? Oder regredieren wir zurück in ein kindliches Alter, in dem solche Vorstellungen entwicklungspsychologisch angemessen waren, die aber dem Erwachsenenalter ganz und gar nicht mehr entsprechen?
Hier setzte ja die Religionskritik eines Feuerbach, Marx, Nietzsche und Freud ein: Religion, Reden von Gott als Verweigerung, im Hier und Heute erwachsen zu sein. Manchmal beschleicht mich der Verdacht, daß hier ein Hauptgrund liegt, warum unsere Kirchen immer leerer werden und relgiöse Praxis aus den konkreten Leben der Menschen immer mehr verschwindet. Von mir kann ich jedenfalls sagen: Mir wurde religiöse Praxis, Gebet und Gottesdienst immer schwerer, weil ich sie mit ihrer ganzen Bilder- und Vorstellungswelt nicht mehr mit meinem Bewußtsein als heutiger erwachsener Mensch zusammenbrachte.
Als meine inzwischen verstorbene Frau Margarete an Krebs erkrankte, erlebten wir unsere Abstinenz von religiöser Praxis allerdings als Mangel. Wir waren sehr handgreiflich mit letzten Fragen konfrontiert und suchten Orientierung. Aber einem "lieben" oder "allmächtigen" Gott konnten wir uns trotzdem nicht mehr anvertrauen. Damals entdeckten wir in einem Seminar im Allgäu die gegenstandslose Meditation, wie sie im Zen und in der Kontemplation geübt wird. Hier begegneten wir einer anderen religiösen Welt. In dieser Praxis geht es ums Leer-Werden. Es geht ums Loslassen aller Bilder und Vorstellungen, um die Öffnung des Herzens - ja wem gegenüber? Dem "Anderen", dem "Nicht-Vorhandenen", "Nicht-Seienden" gegenüber... Man kann sogar sagen: dem "Nichts" gegenüber, das aber nicht als das Schreckliche oder Zerstörerische erfahren wird, sondern als das letztlich Bergende, in das man sich getrost fallen lassen kann.
Ich richte mich in der Meditation an kein überweltliches Wesen mehr, ich richte mich auf eine "andere Dimension" des Lebens aus, eine Dimension der Tiefe, oder Weite. Auch das sind natürlich Metaphern, Bilder... Aber es besteht kein Zweifel, daß diese sich stark von unserem christlichen Traditionsvorstellungen unterscheiden. Ein personaler Gott, ein Gott, dem ich "gegenüberstehe", solche Vorstellungen lösen sich in der meditativen Praxis auf. Dafür komme ich hier nicht mehr mit unserem heutigen Weltbild in Konflikt und ich muß nicht mehr in eine kindliche Daseinsweise regredieren, um sie nachzuvollziehen. "Gott" bezeichnet mir dann diese Dimension der Tiefe und Weite, in die hinein ich mich zu öffnen versuche. Und mal gelingt das mehr, und öfter gelingt es weniger...

Hans Jellouschek, Dr.theol, Lic.phil., geb. 1939, Paartherapeut und Coach, Autor erfolgreicher Bücher über Männerthemen und Paarbeziehungen, u. a.: "Bis zuletzt die Liebe. Als Paar im Schatten einer tödlichen Krankheit" (Herder). Seit dreißig Jahren in der Fortbildung tätig. Lebt und arbeitet bei Tübingen.
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