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Der Kommentar: Weichzeichner
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Von der CIG-Redaktion |
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Eigentlich müssten wir Christen dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof dankbar sein. Die Straßburger Richter haben mit ihrem Urteil gegen Kreuze in Italiens staatlichen Schulen erreicht, was den Kirchen immer weniger gelingt: Das Kreuz Christi wird als Zeichen gesehen, dem widersprochen wird. Die Empörung ist groß. Während der politisch wie moralisch schwer angeschlagene Ministerpräsident Silvio Berlusconi im oppositionellen Schulterschluss mit Kardinälen und Bischöfen sein Heil sucht, meinen Kirchenleute, sich in nostalgische Apologetik retten zu können: Das Kreuz sei doch nicht so schlimm, es sei doch bloß ein allgemeines kulturelles Symbol des Abendlands und der Nation. Das Kreuz - etwas Nettes und nicht ganz so ernst gemeint? Da kann man kirchliche „Verteidigungsstrategien" beobachten wie in Deutschland, als das Bundesverfassungsgericht Klägern in Bayern Recht gab.
Aber: Der Versuch, das Kreuz zum Wertegaranten oder zur Folklore herabzustufen, funktioniert nicht. Es taugt nicht als moralische Krücke für Politik und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Mehr und mehr wird uns durch die säkularistischen Einsprüche gegen das Christentum allenthalben bewusst, dass Christsein etwas anderes ist als alles andere. Das Kreuz zeigt Kontraste an, unterscheidet die Geister, wie der erste Korintherbrief formuliert: „Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden (wir müssten heute hinzufügen: auch für Neuheiden) eine Torheit, für die Berufenen aber… Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit."
Mit dem Kreuz verbindet sich energischer Einspruch gegen Versuche, die harte Botschaft von der Erlösung aus dem Tod wegzuinterpretieren zugunsten rein diesseitiger Glücks- und Wellnessreligiosität. Die Kirche ist keine Ritualfabrik, die aus dem bloßen Inszenieren von Ritualen lebt, ohne nach deren Inhalt und Wahrheit zu fragen. Es ist ein Irrtum zu meinen, der Mensch sei ein Fänger des Glücks. Das Glück in Christus liegt auf anderer Ebene: nicht egoistische Selbstverwirklichung, sondern nächstenliebende Selbstverleugnung, nicht spießige Selbsterfüllung, sondern solidarische Selbstaufopferung für die Leidenden, Armen, Bedrängten jeder Art. So erreicht uns die Freude über Gott, der das Leben schenkt und ins ewige Leben ruft. Christliche Glücklichpreisung bleibt eine realitätsnahe Seligpreisung, auch Anbetung, die das Unheil dieser Welt wahrnimmt und aufnimmt zur befreienden Nachfolge Christi. Am Kreuz der Auferstehung entzündet sich zu Recht weiterhin Widerspruch. Das hilft den Christen selber, immer besser zu begreifen, dass ihr Glaube anders ist, dass ihre Tiefen-Hoffnung nicht aufgeht in pseudoreligiösen Oberflächen-Weichzeichnungen und Weichspülungen unserer Tage.
CIG 46/2009
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