69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 28. Mai 2017

Kommentar: Abschalten
Von der CIG-Redaktion
Wer derzeit die Top-Themen im Fernsehen verfolgt, kommt schnell aus der Puste. Die mediale Erregbarkeit führt anscheinend unweigerlich zu einer gesamtgesellschaftlichen Empörungsbereitschaft. Der ehemalige Kulturstaatsminister Michael Naumann hat diesen Zustand in der „Frankfurter Allgemeinen“ anschaulich zusammengerechnet: „Die deutschen Medien gleichen bisweilen einem großen, gefräßigen Tier. Den armen Philipp Rösler hatte es kurz vor der Niedersachsen-Wahl fast schon vertilgt, und Christian Wulff ist bereits verdaut. Ihre fette Beute war bis vor kurzem der Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück.“ Und auch andere öffentliche Personen werde der mediale Hunger noch treffen - vornehmlich Politiker, denn es ist Wahljahr. Jetzt geht es um Annette Schavan. Als „Medienschelte“ will der Publizist und Medienprofi Naumann seine Kritik ganz und gar nicht verstanden wissen. Aber zu fragen sei schon, ob Politik so nicht mehr und mehr zu einem Theaterstück werde, „deren Schauspieler weniger an Sachkompetenz, sondern am eleganten Bühnenauftritt gemessen werden“.

Was könnte helfen, um den Puls wieder zu normalisieren und die Gemüter zu besänftigen? Welcher Umgang mit den Medien ist gewinnbringend und gleichzeitig unaufgeregt, neue Entwicklungen bejahend, nicht kulturpessimistisch und zugleich heilsam?

Vorschlag eins: karnevalesker Spaß, kluge Narretei. Die Kölner, Mainzer und Düsseldorfer Bühnenwagen werden die jüngsten Emotionswellen in Politik und Talkshow-Business dieser Tage wieder auf die Schippe nehmen - darauf ist Verlass. Und nur die wirklich ernsten Themen werden nach der kathartischen, läuternden Fastnacht noch da sein. Gut so. Vorschlag zwei: Fernsehen, Internet, Radio - einfach abschalten. Ausgerechnet ein medialer Klassiker empfahl nach jeder Folge, den Stecker zu ziehen. In Peter Lustigs Kinderserie „Löwenzahn“ wurde der jüngeren Generation erst etwas beigebracht - und dann sollte aber auch Schluss sein mit dem Medienkonsum. Die nächste „Boulevard“-Nachricht oder Politiker-Posse konnte gar nicht erregen, denn die Flimmerkiste war längst aus.

Vielleicht wäre es auch eine gute Übung zu Beginn der Fastenzeit, einen antiken Begriff neu zu beleben. Vorschlag drei: Peter Lustigs kluger Tipp war nichts anderes als der Rat zu jener Haltung, die die alten Römer „Otium“ nannten: Diese Form der Muße bedeutet nicht Passivität oder Faulheit, sondern aktives Nachsinnen und bewusstes Abstandnehmen. Es geht darum, den Geist in Gelassenheit zu üben und die Aufmerksamkeit auf die ewigen Fragen des Lebens zu richten…

CIG 6/2013


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