69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 30. April 2017

Kommentar: Franziskus I.
Von der CIG-Redaktion
Unmittelbar vor Druckbeginn erreichte uns die Nachricht vom Jesuiten-Papst aus Argentinien: Franziskus I. Natürlich richtete sich das Interesse sofort darauf, was sein Name nach dem Armen von Assisi und aus dem Kontinent der Befreiungstheologie bedeutet. Sicher ist, dass er eine ungeheure Last schultert - beladen mit vielen Hoffnungen aus dem gesamten Volk Gottes. Nach einer langen Phase kirchlichen wie religiösen Stillstands ist klargeworden: Das Christsein muss sich reformieren, wenn es wieder an Strahlkraft gewinnen will. Ein Papst ist kein Übervater, aber er hat Macht, inspirierend, steuernd, ermutigend Entwicklungen anzustoßen, zu moderieren, zu Entscheidungen zu bringen.

Von den Kardinälen wurde ausgesprochen, wie viel im Argen liegt in der obersten Kirchenleitung, in den Kurienbehörden. Unter nicht wenigen Bischöfen - ob eher progressiven oder konservativen - hat sich Unmut ausgebreitet über manche Selbstherrlichkeit, Arroganz, ja Inkompetenz, mit der aus dem Vatikan versucht wird, in die Ortskirchen „hineinzuregieren“ und vieles besser zu wissen, ohne die Situation vor Ort wirklich zu kennen. Das Verhältnis von Rom und Ortskirchen, von Kurienbeamten und Ortsbischöfen, die in Nachfolge der Apostel authentische eigene Lehrvollmacht haben, muss neu ausbalanciert werden durch wahre Kollegialität untereinander und mit dem Papst. Der Bischof von Rom hat einen Kardinalsauftrag erhalten, echte Entscheidungen auf den Weg zu bringen. Reden vom Dialog allein reicht nicht mehr.

Im Volk Gottes hat sich Unruhe ausgebreitet über den Glaubensverlust. Dass durch pure Bevölkerungsvermehrung die Zahl der nominell Getauften noch wächst, kann nicht über die in allen Erdteilen beschleunigte Säkularisierung hinwegtäuschen. Es braucht eine mutige theologische, religiöse, kulturelle Auseinandersetzung mit dem Christus-Mysterium, mit der Frage nach Gott unter den Bedingungen der Entmythologisierung, des Zusammenbruchs magischer Glaubensvorstellungen im Horizont wissenschaftlicher Welterfahrung. Viel hängt ab vom päpstlichen Mut, ein echtes Glaubenskonzil einzuberufen und einen Prozess dorthin baldmöglichst einzuleiten.
Die alten Einordnungen von „konservativ“ oder „progressiv“, „traditionell“ oder „liberal“ treffen die Lage der Menschen, der Menschheit, der christlichen Individuen nicht mehr. Johannes XXIII. war ein Konservativer. Dennoch erkannte er die Zeichen der Zeit. Vieles steht heute an, viel mehr als damals. Auch wenn ein Papst kein Alleskönner ist, kein Übermensch - nur ein Petrusdiener: Der Geist einer neuen Zeit und Welt, der vom Heiligen Geist niemals alleingelassen ist, lässt den Diener aller Diener Gottes ebenfalls nicht im Stich.

CIG 11/2013


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