69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 30. Juli 2017

Kirche lebt vor Ort
Von Stephan U. Neumann
Eine neues Miteinander von Kirchenleitung und Kirchenvolk wird in den Dialogprozessen einiger Bistümer erlebbar. Da Papst Franziskus I. sich zuerst als Bischof von Rom sieht, entsteht eine neue Freiheit und Verantwortung, Kirche vor Ort mit den Menschen zu gestalten und zu leiten.

Freiheit ist auf der Freiburger Diözesanversammlung für 300 Delegierte zu einer konkret erlebbaren Wirklichkeit in der Kirche geworden. Erzbischof Robert Zollitsch ermutigte die Vertreter aus Gemeinden, Verbänden, Theologie, Caritas, Ordinariat und Seelsorgeamt, die Zukunft der Kirche offen zu denken, freimütig zu debattieren und zu beten. „Noch nie gab es eine Epoche, in der Gottes Sehnsucht nach dem Menschen mehr hätte entsprochen werden können als in der Moderne, nämlich in tatsächlicher Freiheit“, erklärte der Freiburger Theologe Magnus Striet in seiner Stellungnahme zu Beginn des viertägigen Treffens. Der Glaube selbst verlange nach Freiheit, weil Gott den Menschen zum Freund und zur Freundin suche. Freundschaft gebe es aber nur zwischen Freien.

Den Versammelten in der Martinskirche mitten in der Stadt, neben dem Rathaus, war die Freude anzumerken, dass Freiheit nicht - wie sonst so häufig - als reine Beliebigkeit oder Diktat des Relativismus verurteilt, sondern als positive, verantwortungsvoll zu lebende Grundhaltung auch kirchenamtlich betont und bejaht wurde. Die Vertreterinnen und Vertreter des Volkes Gottes und der Ortskirche scheuten bei ihrer Arbeit in Kleingruppen zu elf verschiedenen Themenfeldern auch nicht das Risiko, das der Freiheit innewohnt. „Sie nicht zu riskieren, gar nicht erst neue Wege zu überdenken und auch einzuschlagen, zeugt freilich von einer Angst, die der Freiheit eines Christenmenschen kaum angemessen ist“, so Striet, der die tief im Leben der Kirche sitzende Angst vor Veränderungen als Sünde bezeichnete.
„Frauen und Männer gleichermaßen zu allen Ämtern zuzulassen“, als Gemeinden bevorzugt auf die Menschen zuzugehen, die am Rande der Gesellschaft, aber auch der Kirche leben, mehr Offenheit für neue ­Formen liturgischen Feierns, qualifizierte Frauen und Männer in der Eucharistie predigen zu lassen oder Leitung in Kirche und Gemeinden neu zu bestimmen, das Ehrenamt stärker anzuerkennen - die 33 Ziele und Maßnahmen an den Stellwänden am Samstagnachmittag in der Martinskirche waren ein Zeugnis dieser Freiheit. Natürlich kündigte Erzbischof Zollitsch am Sonntagmorgen nicht an, sofort alle Empfehlungen umzusetzen. Dies hatte auch niemand erwartet, wie sich am zustimmenden Applaus zeigte, der die Stellungnahme immer wieder unterbrach. Zollitsch wischte die Anregungen aber eben nicht mit einem brüsken „Geht nicht!“ oder „Das kann nur die Weltkirche entscheiden!“ weg. Er hat Solidarität, Kompetenz und Leidenschaft der Menschen aus der Mitte seines Bistums genauso wahrgenommen wie „die Unruhe und Unzufriedenheit“ der Vielen. Er stehe dafür ein, dass die Themen auf dem Tisch und damit präsent bleiben.

Diakoninnen? Welche?

Dass Zollitsch in einem viel diskutierten Punkt allerdings nur ankündigte, sich „für neue kirchliche Dienste und Ämter, die auch Frauen offenstehen, wie etwa ein spezifisches Diakonenamt für Frauen“ einzusetzen, weckte dennoch manche Enttäuschung. Denn damit ging er nicht über den Vorschlag von Kardinal Walter Kasper hinaus, der bei der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe bereits die Einführung eines Diakoninnen-Dienstes außerhalb des dreigliedrigen Weiheamts (Diakon, Priester, Bischof), das in der katholischen - und orthodoxen - Kirche nur Männern offensteht, befürwortet hatte. Viele befürchten, dass dieser Vorschlag die bestehende, letztlich Frauen von Weiheämtern ausschließende Regelung bloß verfestigt. Die Delegierten wünschten hier mit höchster Zustimmung grundlegendere Veränderungen in der Amtsfrage.

Das erste Gut: Eucharistie

Auch bei der zuvor verfassten 66-seitigen Themensammlung, deren Grundlage die aus dem gesamten Bistum eingesandten Vorschläge, Kritikpunkte und Anregungen waren, fehlte es keineswegs an Deutlichkeit. Der Churer Pastoraltheologe Manfred Belok stellte in diesem offiziellen Dokument des Erzbistums fest, dass Kirche nicht unter einem Priester-, sondern unter einem Weihemangel leidet. In den Berufsgruppen der Pastoral- und Gemeindereferenten gebe es „genügend theologisch qualifizierte, spirituell verwurzelte und menschlich geerdete Frauen und Männer“, die bereits einen kirchlichen Sendungsauftrag hätten. „Es wäre zu überlegen, diesem Personenkreis den Zugang zum Priesteramt zu öffnen.“ Denn „es ist ein Skandal, dass das Primärgut ‚Eucharistie‘, von dem zu Recht betont wird, dass es ‚Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens‘ und damit auch die Mitte allen kirchlichen Lebens ist, dem Sekundär- oder gar Tertiärgut ‚Zugangswege zum Amt‘ geopfert wird und es bei den Kriterien: (a) männlich und (b) zölibatär bleibt, also Kriterien, die Frauen wie verheiratete Männer bewusst ausschließen.“

Die Leiterin des Osnabrücker Seelsorgeamts, Daniela Engelhard, hatte in der Themensammlung daran erinnert, dass die Bischöfe sich bereits 1981 dafür ausgesprochen hatten, dass die Kirche „Modell für das gleichwertige und partnerschaftliche Zusammenleben und -wirken von Männern und Frauen“ sein soll. Um der Glaubwürdigkeit willen brauche es bedeutende weitere Entwicklungsschritte. Zudem sei die Frauenfrage keine „Strukturfrage“ neben anderen, sondern betreffe wesentlich den missionarischen Sendungsauftrag der Kirche. Denn dort, wo Frauen für die Weitergabe des Glaubens ausfallen, erreiche die kirchliche Verkündigung kaum noch die nachfolgende Generation.

Daniela Engelhard sieht zwar, dass sich einiges bewegt. Dass in Freiburg - aber auch in anderen Bistümern - der Anteil von Frauen auf der kirchlichen Leitungsebene steigen soll, sei ein wichtiges Signal. Es müsse aber auch über die Leitung in den Kirchengemeinden gesprochen und über ein Dienstamt nachgedacht werden, dass den sozial-caritativen Einsatz von Frauen sichtbar macht.

Vergleichbar große Einigkeit herrschte bei den Freiburger Delegierten auch, als es um Empfehlungen ging wie: wiederverheiratete Geschiedene zu den Sakra­menten zuzulassen; die Ehe- und Partnerschaftspastoral als Schwerpunkt kirchlichen Handelns aufzuwerten; jegliche Diskriminierung von Homosexuellen zu verhindern.

In einer - allerdings noch nicht veröffentlichten - Handreichung des Referats Familienpastoral im Erzbischöflichen Seelsorgeamt werden Seelsorgende ermutigt, in ausführlichen Gesprächen die Lebens- und Beziehungsgeschichte Geschiedener und Wiederverheirateter aufzuarbeiten, ohne die Schuld und Verantwortung gegenüber dem früheren Ehepartner beziehungsweise für das Scheitern auszuklammern. Ein solcher Prozess könne am Ende in die Zulassung zu den Sakramenten und eine Segensfeier für die neue Beziehung münden. Damit werde nicht die Unauflöslichkeit der Ehe relativiert. Menschen, die sich selbstkritisch mit ihrer Geschichte auseinandergesetzt haben, sollen zu einer verantwortbaren Gewissensentscheidung befähigt werden. Kirche werde damit zu einer Gemeinschaft, die Versöhnung ermöglicht. Das vom Leiter der Erwachsenenpa­storal, Michael Schweiger, und von Dom­kapitular Andreas Möhrle unterschriebene Dokument hat - so Schweiger - die Rückendeckung von Erzbischof Zollitsch und wird demnächst den Seelsorgern vor Ort zugehen.

Gemeindeleitung alternativ

Werden nicht seit Jahrzehnten die immer gleichen Themen debattiert, die keinen mehr interessieren? Was ist heute anders im Vergleich mit der Würzburger Synode in den siebziger Jahren oder mit dem Freiburger Diözesanforum Anfang der neunziger Jahre? „Die Themen sind bei den Menschen in der Mitte des Bistums angekommen und entschieden“, erläuterte der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff. Es sind nicht mehr Initiativen am Rand der Kirche, die auf diese Re­formen drängen, sondern Weihbischöfe, Domkapitulare, Priester, Hauptberufliche sowie die engagiertesten Männer und Frauen aus der Mitte der Gemeinden.
Auch im Bistum Essen werden unter anderem diese Themen als „Dialoge mit dem Bischof“ in der Akademie „Die Wolfsburg“ diskutiert. Eine neue, nachdenklich-respektierende Streitkultur hat Akademieleiter Michael Schlagheck festgestellt. „Die Teilnehmer erfahren in einem kirchlichen Raum, dass sie abweichende Meinungen äußern können, ohne dass ihnen das Katholischsein abgesprochen wird.“ Gerade auch diejenigen, die bereits lange auf Veränderungen hoffen, nähmen wahr, dass sich auch ihr Bischof Franz-Josef Overbeck infrage stellen lasse.

Anfragen hat ebenfalls der Kölner Diözesanrat in seinem Text „Mut zum Handeln. Ein neuer Aufbruch im Erzbistum Köln“ formuliert. Diese Ergebnisse eines einjährigen Dialogprozesses sollten ursprünglich in vier geistlichen Gesprächstagen von Juni bis September mit Kardinal Joachim Meisner debattiert werden. Aus organisatorischen Gründen wurden diese Gespräche zwischen Kirchenvolk und Bistumsleitung nun jedoch abgesagt. Die Gemeinden seien mit dem Eucharistischen Kongress bereits zu sehr in Beschlag genommen. Außerdem sei der für den Dialogprozess zuständige Weihbischof Heiner Koch mittlerweile Bischof in Dresden-Meißen, so die offizielle Begründung.

Wie die Katholische Nachrichten-Agentur berichtet, gab es jedoch inhaltliche Verstimmungen. Kardinal Meisner begrüßte zwar die Worte zur gesellschaftlichen Verantwortung, zum Lebensschutz, zum Sonntagsschutz und zum Erhalt katholischer Grundschulen. Sein Missfallen erregten jedoch die Voten, Priestern den Zölibat freizustellen, das Priesteramt für Frauen zu öffnen oder auch konfessionsverschiedenen Ehepaaren die gemeinsame Teilnahme am sakramentalen Leben der Kirche zu ermöglichen. Kölns Erzbischof spricht noch mit dem Vorstand des Diözesanrats über die Empfehlungen, aber „ansonsten war’s das“, teilte die Presseabteilung des Erzbistums auf Nachfrage kurz und bündig mit.

Vor Ort ist man zwar traurig, dass der offizielle Dialogprozess erst einmal auf Eis gelegt ist. Von Resignation ist jedoch zum Beispiel bei der Vorsitzenden des Kölner Katholikenausschusses, Hannelore Bartscherer, nichts zu spüren. Sie verweist auf den Anstoßtext „Reden und Handeln“ des Katholikenausschusses, dessen „konkrete Maßnahmen“ bereits 2011 von ihr, von Stadtdechant Johannes Bastgen und Weihbischof Manfred Melzer unterschrieben wurden. Selbstverantwortetes, kreatives Glaubensleben soll in den Gemeinden weiter möglich sein, auch wenn aufgrund des „Priestermangels“ in Köln längst - wie nahezu überall - große Pfarrverbünde geschaffen wurden: „Für jede Einzel-Gemeinde wird ein verantwortlicher Ansprechpartner/eine verantwortliche Ansprechpartnerin benannt, der/die eine vom Pfarrer delegierte Leitungsfunktion innehat. Er/sie erhält eine offizielle Beauftragung auf Zeit.“ Ob bei der Gestaltung liturgischer Feiern, der Organisation der Kindertagesstätte oder der „Ausweitung der Beerdigungs-Erlaubnis für Laien“ - wer sich ehrenamtlich engagiert, soll dies selbstverantwortlich und selbstentscheidend tun können.

Ähnlich hat der Katholikenrat des Bistums Mainz angeregt, alternative Gemeindeleitungsmodelle zu diskutieren. So könne gemäß dem geltenden Kirchenrecht schon heute Leitung an Nichtpriester delegiert werden. Engagierte Männer und Frauen sollten auf ihre Aufgaben vorbereitet, verbindlich beauftragt und begleitet werden. Es müsse auch „die bestehende Möglichkeit des Veto-Rechts des Priesters zur Diskussion gestellt werden“. In Osnabrück, wo der Dialogprozess bereits seit Jahren mit Zukunftsgesprächen oder Klausurtagungen der Diözesanräte vorangetrieben wird, erhalten pastorale Mitarbeiter als sogenannte Koordinatoren Leitungskompetenzen.

Haben engagierte Männer und Frauen das Gefühl, dass sie zwar die Arbeit machen sollen, dass ihnen eigene Entscheidungen aber verwehrt bleiben, werden sie in andere gesellschaftliche Bereiche abwandern. Auf Männer wirkt Kirche ohnehin längst als
ein wenig attraktives öffentliches Betätigungsfeld. „Entgegen dem gesellschaftlichen Trend engagieren sich in der Kirche mehr Frauen als Männer“, stellt der Leiter der katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral in Erfurt, Hubertus Schönemann, im Freiburger Themenheft für die Diözesanversammlung fest. Und auch jüngere Frauen engagieren sich heute nicht mehr aus reiner Gemeinwohl­orientierung. Sie beanspruchen ebenfalls öffentliche Anerkennung und erwarten sich aus dem, was sie tun, auch weitere Entwicklungschancen für sich selbst, fürs eigene Leben.

„Ich erlebe noch viel zu oft, dass mir die Menschen sagen: ‚Ich bin tätig in der Gemeinde unter Pfarrer XY‘“, berichtet Re­gionaldekan Joachim Burkhard. Die Basis müsse konsequenter die Beteiligung auch an Verantwortung und Entscheidungen einfordern. „Die Gemeinde muss nicht alles hinnehmen, was ihr vorgesetzt wird.“

„Kirche erwacht in den Seelen“

Viele Themen-Gruppen der Diözesanversammlung beklagten am Ende das zu enge Korsett mancher Vorgaben. Von geschulten Moderatoren zur Formulierung von Zielen und konkreten Maßnahmen getrieben, blieb wenig Zeit, die Themen wirklich vertiefend zu diskutieren, griffige Formulierungen zu finden. Das hat auch Folgen für die Außenwirkung. „Will Kirche gesellschaftlich gehört werden, muss sie so sprechen, dass sie dort auch verstanden wird“, sagte die Vorsitzende des Freiburger Dekanatsrats, die Kirchenhistorikerin Barbara Henze, bei der Vor­stellung der Ergebnisse „Politisches Enga­gement von Christen“. Diskussions- und Entscheidungsprozesse müssten nach gesellschaftlichen Prinzipien organisiert werden: nach Kompetenz, auf Augenhöhe, inhaltsoffen. „Da habe ich ein Fragezeichen“, sagte sie unter zustimmendem Applaus.

Anstelle offener, vielleicht auch streitbar hitziger Diskussionen im Plenum wurde geradezu inflationär und ständig beschwich­tigend betont, dass es sich um einen „geist­lichen Prozess“ handle. „Es tut mir weh, dass viele durch den Zeitdruck das Geistliche konterkariert erlebt haben“, so Arno ­Zahlauer, Direktor des Geistlichen Zen­trums von Sankt Peter im Schwarzwald. „Es hätte mindestens einen vollen Tag an einem Thema gearbeitet werden müssen“, meint Zahlauer. Thematische Arbeit und Geistliches dürften nicht als Gegensätze gesehen werden. Zudem sei von Stille meistens nur die Rede gewesen. Die Gottesdienstzeiten waren selbst am Freitag und am Samstag mit zwei voll entfalteten bischöflichen Eucharistiefeiern gefüllt. „Wo war da Zeit für Stille?“

Auch wenn der Durchbruch zu neuer Glaubwürdigkeit substanziell noch nicht gelungen ist, weil nach wie vor die Frage offen ist, wie Veränderung Wirklichkeit wird, habe Erzbischof Zollitsch die Türen aufgemacht, betonte Zahlauer. Als Vorsitzender der Bischofskonferenz hat er mit der Diözesanversammlung ein Zeichen gesetzt, dass jede Ortskirche in der Weltkirche und für sie Verantwortung trägt - aber auch für sich selbst. Zollitsch wird noch in diesem Jahr 75 und muss dann seinen Rücktritt anbieten. Seine Initiative kann jedoch stilbildend sein, auch für seinen Nachfolger im Amt des Bischofs, aber auch des Vorsitzenden der Bischofskonferenz.
Vereinzelt war die Befürchtung zu hören, die Empfehlungen könnten ungehört verhallen. „Damit würde man das Vertrauen, das die Grundvoraussetzung für Beratung ist, erlahmen lassen“, sagte Weihbischof Paul Wehrle, der wesentlich die Versammlung thematisch vorbereitet hatte. Die Versammlung habe jedoch bewiesen, dass es im Volk nach wie vor sehr viel Kompetenz und Solidarität gibt. „Mit diesem Schatz könnte man noch offensiver umgehen - im Sinne eines Einforderns und eines Daraufsetzens“, so Wehrle.

„Es muss weitergehen, damit es kein Strohfeuer bleibt.“ Mit dieser Einschätzung dürfte die Juristin Annette Bernards aus dem Präsidium der Diözesanversammlung die Gefühlslage der meisten Delegierten getroffen haben. Da Kirche von unten entstehe, müssten die Prozesse auch von unten beginnen.

Der Freiburger Theologe Peter Walter erinnerte daran, dass schon lange vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil mutige Männer und Frauen neue Wege beschritten hätten. „Ein religiöser Vorgang von unabsehbarer Tragweite hat eingesetzt: Die Kirche erwacht in den Seelen“, so Romano Guardini bereits 1922, also vierzig Jahr vor der Konzilseröffnung. Walter: „Seine Vorarbeit und die vieler ähnlich gesinnter Theologen sowie die von den kirchlichen Autoritäten zwar immer wieder verbotene, von einzelnen Bischöfen teilweise aber auch geduldete Erprobung (der Reformen der Jugend- und der Liturgischen Bewegung) in der Praxis haben dem Konzil den Weg bereitet und der von ihm ermöglichten Erneuerung zum Durchbruch verholfen.“

Damit das Priestertum aller Getauften sichtbar wird, braucht es viele derartige „religiöse Vorgänge von unabsehbarer Tragweite“ vor Ort: Reformen nicht um der Reformen willen, sondern für die Zukunft des Christseins. Wenn der offenen Debatte nun Entscheidungen folgen, wird es wieder Raum und Energie geben, die wirklich brennenden Fragen nach der Plausibilität unseres Gottesglaubens in menschlichen Krisenerfahrungen aber auch angesichts wissenschaftlicher Erkenntnisse und neuer Möglichkeiten zu stellen.


CIG 18/2013


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