69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 25. Juni 2017

Kommentar: Kriegs-un-logik
Von CIG-Redaktion
Noch bevor die Uno-Untersuchung in Syrien ausgewertet ist, behaupten westliche Geheimdienstler, Politiker, Journalisten einmütig, bereits zu wissen, dass chemische Massenvernichtungswaffen eingesetzt wurden - und dass das autokratische Assad-Regime die Mordaktion angeordnet hat. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass es nicht so gewesen sei. Bisher wurde aber auch kein Grund genannt, warum es so gewesen sei. Warum wurden in erster Linie Zivilpersonen umgebracht, nicht die bewaffneten Gegner an der Front? Warum hetzt Assad das eigene Volk gegen sich auf? Spekulierte er damit, die Gräuel der Opposition in die Schuhe schieben zu können, um den Abscheu der Welt gegen sie zu lenken? Aber es war doch von vornherein klar, dass einzig Assad verdächtigt würde. Wollte er den Westen verwirren, spalten? Waren es fehlgeleitete Raketen? Wollten meuternde Offiziere der Armee so eine ausländische Intervention zur Befreiung von Assad provozieren, damit das Elend ein baldiges Ende hat? War es ein Test für die letzte Schlacht zur Abschreckung, wozu man im Extremfall fähig ist? Geschah es aus Panik vor dem Ende? Oder hatte doch Al Qaida die Finger im Spiel?

Fragen über Fragen, keine plausible Antwort. Das ist die Logik jedes Krieges: Er hat keine Logik. Dieses immerwährende Faktum des Absurden scheint nun doch westliche Regierungen zu quälen, die im Namen der Humanität Stärke zeigen möchten, jedoch zögern, weil niemand weiß, was ihr Eingreifen oder Nichteingreifen bewirkt. Außerdem sitzen viele Nationen wegen Massenvernichtung auf der historischen Anklagebank: die Amerikaner nicht nur wegen der atomaren Massaker von Hiroshima und Nagasaki. Sie haben mit Benzin- und Napalmbomben auf Tokio flächendeckend mindestens 100 000 Menschenleben ausgelöscht. Das Inferno, festgehalten auf Schwarz-Weiß-Filmen, erschüttert uns noch heute. Wer sind wir, dass wir uns im Namen der Humanität zu Selbst-Gerechten aufspielen?

Der Mensch will das Gute, tut aber oft das Falsche. Was ist gegen die Herrscher von Damaskus wie gegen die extremistische islamische „Alternative“ das Richtige? Die Unlogik sämtlicher Kriegsgeschichten bohrt sich ins irritierte Gewissen. Das ist die Tragik der Erbsünde, der strukturellen Schuldverstrickung, aus der es irdisch kein Entrinnen gibt, selbst durch den Humanismus nicht. Das Satanische der „guten“ Aufständischen steht dem Satanischen des „bösen“ Assad in nichts nach. Beide halten das wehrlose Volk in ihren massenmordenden Klauen: der Mensch, gequält, hingeschlachtet einzig für Macht. Nur ein Jüngstes Gericht, eine echte ewige Verdammnis kann eigentlich den Glauben an Gott retten. Bloß ein Mythos? Der Zorn jedenfalls ist menschlich - und göttlich.

CIG 36/2013


Facebook icon Auf Ihre Anregungen und Kommentare freuen wir uns auf Facebook!
Wir freuen uns, wenn Sie CHRIST IN DER GEGENWART näher kennen lernen wollen. Die nächsten vier Ausgaben können Sie gleich hier kostenlos anfordern oder bei:
Verlag Herder, Kundenservice, D-79080 Freiburg
Fax 0761/2717-222, Telefon 0761/2717-200, E-Mail kundenservice@herder.de

Mit unserem Gratis-Newsletter informieren wir Sie über Neues.


Impressum