69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 25. Juni 2017

Der Kommentar: Unser Geld
Von der CIG-Redaktion
Sie sollen sich nicht mehr Kirche nennen, das Adjektiv „kirchlich“ meiden, und ihre Parlamente seien keine Synoden. Für die selbstbewussten, in den staatskirchenrechtlich organisierten Landes- und Kantonalkirchen engagierten Schweizer Katholiken waren diese bischöflichen Aussagen in einem Papier zur Zusammenarbeit zwischen katholischer Kirche und staatskirchenrechtlichen Körperschaften ein Affront. Dabei sollte die von einer Kommission der Bischofskonferenz erarbeitete Schrift mit dem Titel „Vademecum“ die immer wieder aufflackernden Streitereien im weltweit einmaligen zweigliedrigen Schweizer Modell besänftigen. Kirchensteuern erheben darf in der Schweiz nur eine demokratisch organisierte Körperschaft. Diese besteht auf der Ebene der Kirchengemeinden sowie der Kantone. Entschieden wird von unten nach oben insbesondere über die Verwendung der Finanzen und auch über Personalfragen. Das Dokument sei nur eine Diskussionsgrundlage erklärte darauf die Bischofskonferenz. Ihr Vorsitzender, Bischof Markus Büchel von St. Gallen, distanzierte sich von Deutungen, wonach die Gläubigen „ihre Aufgabe in diesen Gremien nicht als Glied der Kirche, sondern ‚nur‘ als Bürger des Staates wahrnähmen“.

Wie weit die Kirche in Deutschland noch heute von einem solchen Modell entfernt ist, bewies die Katholische Nachrichten-Agentur mit ihrem wertenden Hinweis: „Die aus engagierten Laienkatholiken zusammengesetzten ‚Landes‘- oder ‚Kantonalkirchen‘ regieren den Bischöfen hinein, etwa wenn es um die Verwendung von Kirchensteuern geht.“ Dies ist allerdings selbst im „Vademecum“ keine Streitfrage. Klar wird dort festgehalten, dass Kirchengemeinden, Landes- und Kantonalkirchen über die Verwendung der Steuermittel beschließen oder Rechenschaft darüber verlangen.

In der Debatte über die ausufernden Millionen-Kosten für ein Bischofshaus oder - durch Reden und Taten von Papst Franziskus angeregt - über den Lebensstil von Priestern und kirchlichen Würdenträgern geht es um Transparenz. Für was und für wen wird unser Geld verwendet? Das von uns erarbeitete Geld ist nicht das Geld der Bischöfe. Dabei ist das Modell der Kirchenfinanzierung zunächst unerheblich. Ob durch Steuern, Spenden oder Dienstleistungen erwirtschaftet, es ist das Geld aller Getauften. Die Vorsteher, so die Bedeutung des griechischen episkopos (Bischof), verwalten dies für die ganze Glaubensgemeinschaft treuhänderisch. Deshalb müssen sie über die Ausgaben Rechenschaft ablegen. Diese Einsicht führt keineswegs zu einer Spaltung zwischen Laien und Klerikern, wie die Briefe und Initiativen von Priestergruppen zeigen. Auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat in der „Zeit“ erklärt: „Wir sind nicht Herren der Gläubigen.“

CIG 38/2013


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