69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 24. September 2017

Wachstums-Vision
Von der CIG-Redaktion
Der Taifun „Haiyan“ hat zahlreiche Dörfer und Städte auf den Philippinen nahezu ausradiert. Tausende Menschen sind infolge des verheerenden Wirbelsturms umgekommen, Millionen obdachlos - ein schreckliches Leid. Tornados haben den Mittleren Westen der Vereinigten Staaten verwüstet, und in Vietnam und Sardinien starben viele nach sintflutartigen Regenfällen. Selbst wenn sich einzelne Ereignisse nicht einfach auf den von Menschen verursachten Klimawandel zurückführen lassen, sind Fachleute überzeugt: Wir erleben ein Szenario, das der seit Jahren vorhergesagten Häufung extremer Unwetter entspricht - und das just während der Weltklimakonferenz in Warschau. Aufgrund steigender Meeresspiegel infolge abschmelzender Polkappen werden bei Stürmen, die es immer schon gab, die traditionell dicht besiedelten Küsten noch schneller überschwemmt und die Lebensräume gerade armer Menschen zerstört.

Fortschritt und Wachstum mit ungezügeltem Rohstoff- und Ressourcenverbrauch bringen die Erde aus ihrem natürlichen Gleichgewicht und machen ganze Weltgegenden unbewohnbar, vermuten Klima- und Naturschützer. So berechtigt die Analyse in vielen Teilen ist, der Ruf „Zurück zur Natur“ hilft nicht. Polen setzt bei seinem Wirtschaftswunder auf Kohle, dessen Verbrennung Kohlendioxid freisetzt, das als hauptverantwortlich für die Erwärmung der Erdatmosphäre gilt. Japan kündigt seine Ziele zur Verringerung dieses Treibhausgas-Ausstoßes auf. Und in Deutschland steckt die von allen Parteien befürwortete Energiewende in einer Sackgasse. Doch auch ein „Zurück zu Kohle- und Atomkraftwerken“, wie nun mancher angesichts riesiger Windparks und der ungelösten Frage des Transports und der Speicherung von Strom fordert, ist keine Lösung.

Die Rede von der Energiewende führte bereits in die Irre. Es handelt sich nicht um eine Umkehr, sondern um eine Weiterentwicklung der Energiegewinnung, weg vom bloßen Rohstoffverbrauch hin zu neuen Quellen und innovativen Technologien. Denn die Schwellen- und Entwicklungsländer werden nicht darauf verzichten, technischen Fortschritt und gute Lebensbedingungen für ihre Bevölkerungen anzustreben und dafür mehr Energie zu verbrauchen. Die Menschen der Industrieländer wollen gleichzeitig keine Rückschritte hinnehmen. Sonnenenergie aus der Sahara, die in norwegischen Pumpspeicherkraftwerken zwischengelagert wird, um die Turbinen zur Stromerzeugung dann anzutreiben, wenn die grenzüberschreitenden Stromnetze sie benötigen, klingt heute wie eine kaum zu verwirklichende Wachstums-Vision. Unrealistisch ist dies aber nicht. Wie utopisch klang noch vor hundert Jahren die Idee weltweiter Mobilität, weltweiter Kommunikation und weltweiter Warenströme!

CIG 47/2013


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