69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 13. August 2017

Der Kommentar: Wieder eingetreten
Von der CIG-Redaktion
„Katholikenzahl 2013 weitgehend stabil“, titelte die österreichische Nachrichtenagentur „Kathpress“. Angesichts von fast 55000 Personen, die im vergangenen Jahr aus der katholischen Kirche in der Alpenrepublik ausgetreten sind, verblüfft diese Deutung. Denn selbst wenn man die knapp 4800 Wiedereintritte abzieht, wenden sich jährlich fast ein Prozent der nun 5,31 Millionen Katholiken von ihrer Kirche ab. Diese Quote würde bei den etwa 24 Millionen Katholiken in Deutschland bedeuten, dass Jahr für Jahr 240000 Menschen die Kirche verlassen - eine gigantische Zahl, die nicht einmal 2010 erreicht wurde, als wegen des Bekanntwerdens des sexuellen Kindesmissbrauchs durch Seelsorger mehr als 180000 Personen aus der Glaubensgemeinschaft austraten. Bei der österreichischen Bischofskonferenz tröstet man sich mit dem Verweis auf andere Institutionen und die 99 Prozent Verbliebenen.

Der Innsbrucker Generalvikar Jakob Bürgler wertet die „besorgniserregende Bereitschaft zum Austritt“ hingegen als Zeichen für eine „brüchige Basis an Vertrauen und konkreter Verbundenheit“. Die schonungslose Analyse führte keineswegs zu Verbitterung, sondern befähigte, gemäß dem biblischen Gleichnis vom Guten Hirten dem Einen nachzugehen, der sich abgewandt hat. Ausgetretene zum persönlichen Gespräch einzuladen, in Offenheit die Gründe für das Ärgernis zu erfahren, das zum Bruch mit der Kirche führte, hat in Innsbruck die Zahl der Wiedereintritte um 54 Prozent auf 344 steigen lassen - die der Austritte ist allerdings zehnmal so hoch. Den 870 Wiedereintritten in die mit nicht einmal mehr 300000 Personen viel kleinere evangelisch-lutherische Kirche in Österreich stehen „nur“ fünfmal so viele Austritte gegenüber.

Dass bei höheren Austrittszahlen auch deutlich mehr Menschen den Weg wieder oder neu in die evangelische Kirche finden, wird in Deutschland seit den neunziger Jahren beobachtet. Selbst wenn man aufgrund unterschiedlicher Zählungen einige tausend statistisch nicht mit berechnet, handelt es sich bei den bis zu 60000 Wiedereintritten um ein Vielfaches der „Rückkehrer“ in die katholische Kirche. Standen hier häufig Glaubensprüfungen im Vordergrund, öffneten sich die Evangelischen mit Eintrittsstellen und Internetseiten denen, die sich abgewandt hatten. Nicht nur österreichische Bistümer haben hier inzwischen ökumenisch von den evangelischen Landeskirchen gelernt. Deren Studien belegen, dass die Suche nach religiöser und geistiger Beheimatung, der Wunsch, wieder zur Kirche zu gehören, die Menschen neu in die Glaubensgemeinschaft führen kann, wenn sich die verantwortlichen Seelsorger intensiv und kreativ darum bemühen. Da könnten die Katholiken noch viel mehr von den Evangelischen lernen.

CIG 4/2014


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