69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 26. März 2017

Kommentar: Sex, Ehe, Familie
Von der CIG-Redaktion
Die Antworten auf einen vatikanischen Fragebogen zu Sexualität, Ehe und Familie bestätigen, dass viele Katholiken eine andere Meinung haben als das, was als „kirchliche Sexualmoral“ verkündet wird. Das überrascht nicht. Was hatte man eigentlich erwartet? Der Erkenntnisgewinn ist gleich null. Zudem haben sich nur magere Personenkreise beteiligt, teilweise bloß einige hundert Leute je Bistum, darunter überproportional Kirchenfunktionäre und Leute, die Internet-affin sind, also rasch mal „abstimmen“. Das breite Gottesvolk hat sich nicht geäußert, im Gegensatz einst zur Würzburger Synode. Die Wahrnehmung bleibt selektiv, abgesehen davon, dass die Instrumentarien einer „Kirchenvolksbefragung“ in weiten Teilen der Weltkirche gar nicht gegeben sind. Der Soziologe Detlef Pollack sagte es deutlich: Die Antworten sind nicht überzubewerten. „Wenn die Kirche sich davon abhängig macht, was Mehrheitsmeinung ist, gibt sie Theologie und Offenbarung als eigene Erkenntnisquellen preis.“ Aus dem Widerspruch zwischen Lehre und Leben folge keineswegs, „dass die Kirche ihre Vorgaben an das Verhalten der Menschen anpassen müsste“.

Außerdem geht es nicht um eine „kirchliche“, sondern um die biblisch-jesuanische Moral für treue Partnerschaft, lebenslange Einehe und fürsorgliche Familienverantwortung. Nur weil der Mensch immer wieder sündigt und auf das Verzeihen des Partners sowie auf die Vergebung Gottes angewiesen bleibt, wird man in der Nachfolge Jesu nicht plötzlich verkünden, dass außerehelicher Sex - Ehebruch - in Ordnung sei, dass der Mensch auch viele Sex-Partner haben dürfe, dass „frei ausgelebter“ vorehelicher Geschlechtsverkehr ohne Verbindlichkeit auf eine feste Beziehung - Ehe - hin guttue und dass es normal sei, wenn sich Eheleute nicht um ihre Ehe kümmern, sich scheiden lassen und die Kinder in schwerste psychische Turbulenzen stürzen. Naiv wäre eine Kirchenvolksmeinung, die meint, die biblische Norm einfach über Bord werfen zu können.

Ein ganz anderer Punkt ist Empfängnisverhütung, was mit verantworteter Elternschaft und medizinisch-psychologischer Erkenntnis zu tun hat - aber nichts mit biblischer Verkündigung. Hier hat sich das kirchliche Lehramt vergaloppiert, jedoch nicht aus moralischen Gründen, sondern aus Gründen der Amtsautorität. Denn das Verbot sogenannter künstlicher Verhütung war mit Quasi-Unfehlbarkeit immer wieder behauptet worden, so dass ein Eingeständnis der Fehleinschätzung bekennen würde, dass man sich „unfehlbar“ geirrt hat. Für Christen aber bleibt das Jesuanische die Norm, auch in Sexua­lität, Ehe, Familie. Das schließt ein, Lösungen für wiederverheiratete Geschiedene zu finden - für deren Bekenntnis der schweren Sünde, Reue, Buße, guten Vorsatz, Lossprechung und Versöhnung.


CIG 7/2014


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