69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 20. August 2017

Reinhard Marx - Reformberater auch für die deutsche Kirche?
Von der CIG-Redaktion
Die Wahl des Münchener Kardinals Reinhard Marx zum neuen Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz lässt vermuten, dass sich die Bischöfe einen eloquenten und dominanten Vorsitzenden gewünscht haben, dem sie zutrauen, das in letzter Zeit oft gespalten wirkende Gremium zu einen und Reform-Optimismus zu verbreiten.

Marx gilt theologisch als eher konservativ, liegt in wirtschaftlich-sozialen Fragen aber auf der Linie von Papst Franziskus, dessen Kapitalismuskritik er verteidigt. „Wir werden nicht in überschaubare Verhältnisse zurückkehren, wollen aber in einer pluralen Gesellschaft eine starke Stimme sein,“ sagte er in einer ersten Stellungnahme. Manche Amtsträger könnten auf die Pluralität der verschiedenen Lebensstile schlecht reagieren, da sie noch von einem homogenen Kirchen- und Gesellschaftsbild geprägt seien. Er wolle sich um einen Tonfall bemühen, der einladend und nicht bevormundend wirkt. Eine weitere Aufgabe werde sein, „die Bischofskonferenz gut zusammenzuführen und Impulse zu setzen, dass wir nicht nur in der Defensive leben“. Dies habe ihm in den zurückliegenden Krisenjahren schwer zu schaffen gemacht.

Marx ist in Rom gut vernetzt und mit einflussreichen Aufgaben im Vatikan betraut. Er zählt zu einem achtköpfigen Gremium aus Kardinälen, das den Papst direkt und unter Umgehung der kurialen Hierarchien in Reformfragen berät. Darüber hinaus wurde er zum Koordinator eines neuen Wirtschaftsrates ernannt, eines Gremiums aus sieben Finanzexperten und acht Geistlichen, das das Wirtschaftssekretariat unterstützen soll. In diesem sollen künftig alle wirtschaftlichen Aktivitäten des Vatikans zusammenlaufen. Zudem ist er Präsident der europäischen Bischofskommission in Brüssel und Großkanzler der katholischen Universität Eichstätt. Angesichts dieser Ämterfülle war seine Wahl zum Konferenzvorsitzenden keineswegs zwangsläufig, zumal sie auch kein Zeichen für eine Dezentralisierung ist, die in jüngster Zeit oft angemahnt wurde. Doch der Papstberater Marx ist nun auch „der starke Mann“ und „das Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland“, so die KNA.


CIG 11/2014


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