69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 30. Juli 2017

Deutsche Sprache - wohin?
Von Johannes Röser

An die 7000 Sprachen gibt es momentan auf der Welt. Viele davon werden im Lauf dieses Jahrhunderts aussterben. Droht auch der deutschen Sprache im Zeitalter der globalen Kommunikation auf Englisch der Rückzug ins Getto, womöglich sogar ein Verfall? Der Dortmunder Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Walter Krämer vom Verein Deutsche Sprache befürchtet zumindest eine Art „Ausverkauf“ und eine geradezu anbiedernde Unterwürfigkeit unter Anglizismen. „Wir trauen uns nicht mehr, die moderne Welt in unserer eigenen Sprache zu bezeichnen“, erklärte Krämer bei einer Mainzer Tagung der Gesellschaft katholischer Publizisten über Tendenzen und Entwicklungen der deutschen Sprache. Die Polen, die Franzosen, die Finnen würden weitaus selbstbewußter das je Eigene pflegen. Zwar sei die Wissenschaftswelt durch das Englische geprägt. Wenn man jedoch nur noch in der Fremdsprache miteinander rede und forsche, baue dies „Kreativitätsblockaden“ auf. Das Kreative, Innovative entwickle sich in erster Linie denkerisch in der Muttersprache und über die Muttersprache.

Der Sprachwissenschaftler Albrecht Plewnia vom Mannheimer Institut für Deutsche Sprache sieht dies anders. Die Menschen würden keineswegs an einem schwachen sprachlichen Selbstbewußtsein leiden. „Im Moment ist die deutsche Sprache in einem guten Zustand.“ In der deutschen Sprache stehe heutzutage ein so großer Wortschatz zur Verfügung wie nie zuvor. Man könne damit mehr ausdrücken als bisher in der Sprachgeschichte.

Auch Werner Scholze-Stubenrecht von der Duden-Redaktion weist jedweden Alarmismus im Blick auf die vielen Fremdwörter etwa im Umfeld der IT-Milieus - wie Shitstorm, Interface, Touchscreen, Emoticons, Facebook - von sich: „Der Anteil der Wörter, die aufs Lateinische zurückgehen, ist größer als der Anteil jener Ausdrücke, die aufs Englische zurückgehen… Wir haben Dinge, die wir von anderen übernehmen, auch in der Sprache“ - von der Pizza bis zum Döner. Letztendlich sei es die Sprachgemeinschaft selber, die entscheidet, was sie will - und was nicht. So werde sich der Wortschatz auch in Zukunft weiterentwickeln.

CIG 13/2015


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