69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 25. Juni 2017

Mitten im Leben
Von der CIG-Redaktion
Flugzeuge seien die sichersten Verkehrsmittel, heißt es. Trotzdem wird ein Absturz - in welcher Weltgegend auch immer - stets weltweit gemeldet. Die Betroffenheit, die Erschütterung der Menschen wächst, je näher das schreckliche Geschehen stattgefunden hat. Manchmal sind ganze Nationen emotional aufgewühlt, voller Trauer und Mitleiden. Vor allem dann, wenn viele Kinder und Jugendliche davon betroffen sind mitten im Leben, in dem sie das ganze Leben noch vor sich hätten; Familien, deren Lebenssinn plötzlich zerstört ist, die brutal auseinandergerissen werden. So trauern Deutsche, Spanier, Franzosen und andere mit den Angehörigen der Opfer nach dem schrecklichen Unglück auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf, bei dem auch eine ganze Schulklasse ums Leben kam nach einem fröhlichen Austausch des Sprachelernens mit Altersgenossen in Spanien.

Bei Redaktionsschluss war noch nicht bekannt, was das Unglück mit 150 Toten verursacht hat. Alle Beteuerungen, dass die Dinge aufgeklärt werden, helfen wenig in der Not. Oft genug bleibt ein mysteriöser Rest, wie beim spurlosen Verschwinden der Malaysia-Airlines-Maschine. Der Traum vom Fliegen? Völlig losgelöst von der Erde ist und bleibt die Technik riesiger Flugkörper unheimlich. Der Mensch ist eben mit der Erde verwachsen. Er kann nicht fliegen. Umso seltsamer, dass sein Erfindungsgeist sich Geräte erschaffen konnte, die ihn in den Himmel, an die Grenze der Atmosphäre tragen, an die Nahtstelle zwischen unserem blauen Planeten und dem ganzen Universum. Schön ist die Phantasie, schrecklich die Realität, wenn sie uns unerbittlich einholt.

Fast noch schrecklicher ist, wie der religiöse Glaube da in Not gerät. Gott sah, dass alles, was er gemacht hatte, gut war? Auch der Tod mitten im Leben? Die fromme, manchmal lügenfromm leichtfertige Rede, die genau zu wissen meint, wer und was und wie Gott ist, kracht von einem Augenblick in den nächsten in sich zusammen. Am Tod zerbrechen die Illusionen, auch die der Wellnessreligion, die so sehr im Trend unserer Tage liegt. Der Schmerz überwältigt den Glauben. Überwältigt er auch Gott? Viele Religionen können mit einem leidenden Gott nichts anfangen. Der Kreuzestod des Menschensohnes und Gottessohnes Jesus Christus, wie er im Christentum als dichtester Ausdruck von Schrecken und Erlösung wahrgenommen wird, bleibt vielen fremd. Es wirkt in Momenten wie jetzt zynisch zu bekennen: Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung. Doch eine andere Hoffnung haben wir nicht - mitten im Leben, mit dem Tod vor Augen, ausgesetzt der eigenen Sterblichkeit, dem Kreuz der Endlichkeit irgendwann, irgendwo, aber ganz sicher.

CIG 13/2015


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