69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 26. März 2017

Kommentar: Meinungsmache
Von der CIG-Redaktion
"Mein Tod gehört mir.“ Seit Monaten erklingt das hohe Lied der Selbstbestimmung?- auch über das eigene Lebensende. Prominente, Politiker, Journalisten bilden einen großen Chor mit dieser Melodie. Wer noch nicht einstimmt, gerät spätestens dann ins Grübeln, wenn selbst ein berühmter Theologe für „selbstbestimmtes Sterben“ eintritt. Der „Freitod“, wie man den Suizid schönfärberisch nennt?- als ob das Sterben jemals „frei“ wäre?-, wird in der Debatte fast schon „als ultimative Form der Autonomie und damit als Ausfluss der Menschenwürde“ geadelt (FAZ). Diese medial inzwischen recht einseitige Meinungsmache zeigt Wirkung und bestätigt sich selbst durch Umfragen. Darin äußern immer mehr Menschen die Ansicht, es möge rechtlich erlaubt sein, bei schwerer Krankheit das eigene Leben mit Hilfe oder gleich durch die Hand eines Dritten beenden zu können.
Die Haltung, auch über den eigenen Tod bestimmen zu wollen, hat vor allem mit der Angst zu tun, in der letzten Lebensphase dem Leiden ausgeliefert zu sein und unter schweren Schmerzen sterben zu müssen. Vielleicht ist sie auch Ausdruck unserer individualistischen Gesellschaft. Man will möglichst alles selber in der Hand haben, „machen“ können. Doch wo sich scheinbar Mehrheiten einig sind, gilt es, besonders aufmerksam hinzuschauen und gegebenenfalls Widerspruch zu erheben. In der Diskussion wird bisweilen so getan, als sei es die Regel, dass Ärzte hilflos wären angesichts eines leidenden Patienten. Tatsächlich aber ist es so, dass Mediziner heute die meisten Schmerzen entscheidend lindern können. Sie tun dies, und sie tun es auch dann, wenn es das Sterben beschleunigen mag. Gleiches gilt für den Verzicht auf medizinische Maßnahmen in der Endphase des Lebens. Dies ist Alltag, nicht das Gegenteil. Es ist daher nicht redlich, im Streit über die sogenannte Sterbehilfe mit spektakulären Einzelfällen wie aktuell etwa dem französischen Koma-Patienten Lambert zu argumentieren.
Menschen, wie neulich eine prominente Sportmoderatorin, die nach einer Hirnoperation ins Koma gefallen war und schwere Schädigungen erlitten hatte, kommen womöglich für sich zu dem Schluss, dann doch lieber sterben zu wollen. Das ist ihre persönliche Ansicht. Wenn dies aber in die Öffentlichkeit getragen wird, bekommt es eine andere Dimension: Eine bestimmte Haltung soll hoffähig werden. Wer im Gesetz festschreibt, dass künftig auch die Beihilfe zur Selbsttötung eine ärztliche Leistung sein soll, öffnet eine Tür, die sich nicht mehr schließen lässt. Von dort ist es nicht mehr weit zu einer Gesellschaft, die erwartet, dass alte, kranke, pflegebedürftige Menschen ihrem Leben ein Ende setzen. „Freitod“? In den Niederlanden, wo die aktive Sterbehilfe erlaubt ist, steigt die Zahl der Fälle kontinuierlich an.

31/2015


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