69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 24. September 2017

Kommentar: Christus, der eine
Von der CIG-Redaktion
Selten hat eine römische Bischofssynode hierzulande so viel Aufmerksamkeit gefunden wie die bevorstehende über die Familie. Die deutschsprachigen Katholiken sind auf einen Punkt fixiert: die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten. Gedacht ist an die Kommunion, weniger an die Beichte. Erweckt wird zudem der Eindruck, die Betroffenen würden massenhaft zu den Sakramenten drängen. Dem ist leider nicht so. Nicht zu verharmlosen ist auch, dass es sich bei Scheidung und Wiederheirat um den schlimmsten Treuebruch in der vom Schöpfer so gewollten intimsten menschlichen - sexuellen - Beziehung handelt. Schwere Schuld ist daher zu Recht mit Sanktionen belegt. Nach einem geordneten Prüfverfahren von Einzelfall zu Einzelfall und Buße könnten diese aufgehoben werden. Das gibt es je nach Lage jetzt schon.

Völlig ohne Schuld aber leiden gläubige Ehepartner und Familien, die vom gemeinsamen Empfang der Kommunion und des Abendmahls ausgeschlossen sind, nur weil die Konfessionen sie trennen. Dabei bilden sie den Kern von Kirche. Die Synode sollte da vordringlich eine Lösung finden. Seltsamerweise jedoch herrscht dazu im Land der Reformation wie im Synodenprozess selber Schweigen, obwohl das die ökumenische Debatte einst beherrschte. Bisher erlaubt Rom nur, dass evangelische Christen die eucharistischen Gaben empfangen dürfen, wenn sie die katholische Auffassung von der sakramentalen Präsenz Christi teilen und die Wirk-Vollmacht, also die „Wandlungs“-Vollmacht, des priesterlichen Amtes, seine Fähigkeit, Christus zu vergegenwärtigen, anerkennen. Umgekehrt ist es Katholiken nicht erlaubt, am evangelischen Abendmahl teilzunehmen, obwohl dort Gastfreundschaft gewährt wird.

Vom katholischen Lehramt wird die Amtsvollmacht der evangelischen Geistlichen zur Repräsentation Christi bestritten. Nach dieser Ansicht würde ein Katholik, der am Abendmahl teilnimmt, eigentlich „gar nichts“ empfangen, bloß natural Brot und Wein. Was wäre daran dann so schlimm? Das Problem liegt offenbar woanders: Katholiken beim Abendmahl würden die evangelische Amtsautorität anerkennen und damit den sakramentalen Alleinvertretungsanspruch des katholischen Amts indirekt infrage stellen. Aber: Kann man heute derart kon­trovers ernsthaft noch Christ sein, obendrein besetzt von magischen Vorstellungen der „Weihegewalt“ und „Wandlungsfähigkeit“? Die sehr vielen konfessionsverbindenden Familien sollten endlich sakramental als Kirche anerkannt werden. Das muss den gleichberechtigten Empfang der Sakramente in Eucharistie und Abendmahl einschließen. Ist denn Christus geteilt? Nein! Es gibt nur eine Taufe, eine Kommunion, ein Abendmahl, einen Christus, vergegenwärtigt im Glauben der Glaubenden.

39/2015


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