69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 30. April 2017

Kommentar: Krise - und dann?
Von der CIG-Redaktion
Zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse beschrieb der Vorsteher des Börsenvereins, Heinrich Riethmüller, die besondere Gegenwartssituation: „Die Welt ist in Aufruhr. Der Kampf zwischen den Religionen und das Ungleichgewicht zwischen arm und reich, verfolgt und geborgen, gefangen und frei, hungrig und satt findet derzeit in Europa seinen Ausdruck in Hunderttausenden von Flüchtlingen.“ Wir leben in und mit Krisen. Allein in den letzten Jahren gehörten dazu unter anderen die Banken- und Finanzkrise, die Euro- und Klimakrise, die Krim- und Ukraine-Krise, die Griechenlandkrise, die durch den Dschihadismus ausgelöste Krise global von Afrika bis in den Nahen, Mittleren und Fernen Osten. Trotz aller Bemühungen auf dem internationalen diplomatischen Parkett schwelen viele andere Probleme weiter. Zum Teil flammen sie heftig auf.

So erschütterte der jüngste radikalislamische Anschlag auf eine kurdische Friedensdemonstration in Ankara mit mindestens neunzig Toten das westliche Verteidigungsbündnis Nato und zog hektische diplomatische Aktivitäten nach sich. Was ist zu tun, wenn die Terrormiliz „Islamischer Staat“ jetzt schon kämpfend an den westlichen Grenzen der Türkei angekommen ist? Was bedeutet es, wenn Russland im Uno-Sicherheitsrat eine Lösung der Syrienfrage blockiert und durch militärische „Alleingänge“ den Autokraten Assad stärkt - anscheinend jedoch jenseits der öffentlichen Kritik an diesem Vorgehen insgeheim Wohlgefallen vieler findet dafür, dass wenigstens Moskau endlich entschieden den Kampf gegen den „Islamischen Staat“ auch mit einer Bodenoffensive aufgenommen hat und so für andere die „Drecksarbeit“ erledigt.

Nur China scheint sich - zumindest äußerlich - als „in sich ruhende Großmacht“ aus all den Händeleien herauszuhalten und sich auf innere Angelegenheiten zu konzentrieren. Denn das „Reich der Mitte“ hat genügend eigene Probleme, etwa in Tibet oder im muslimisch geprägten Nordwesten bei den Uiguren. Seine konfuzianische Kultur lehrt die Tugend der Selbstbeschränkung, die David Li, ein führender Pekinger Bankmanager, einmal so formuliert hat: „Vielleicht wird China der Menschheit in Zukunft ein anderes Gesellschaftsmodell bieten, das größeres Gewicht auf das Wohl und die Stabilität der Gesellschaft legt und weniger auf individuelle Freiheiten wie das der Vereinigten Staaten.“ China gehe es vor allem „um den Erhalt innerer Stabilität, der Lösung der internen Probleme“. Eine solche Position der inneren Mitte und der inneren Stärke sucht offenbar einen anderen Weg der Krisenbewältigung, jenseits der vielen außenpolitischen Aufgeregtheiten zwischen Moskau, Berlin, London, Brüssel, Paris und Washington.


CIG 42/2015


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