69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 30. Juli 2017

Gott singen
Von Egbert Ballhorn
Vom Morgen singen mitten in der Nacht. Von der Rettung singen mitten in der Bedrängnis. Das Kommen Gottes feiern mitten im Advent. Der Antwortpsalm der katholischen Sonntagsliturgie (Jes 12,2-6)nimmt jenes Thema auf, das von alters her den dritten Advent prägt: die Freude. „Gaudete - freut euch im Herrn“. Bereits der Eröffnungsvers (Introitus) zitiert die Lesung aus dem Philipperbrief. Die Freude hat eine Überschrift und einen Grund: Der Herr ist nahe. Das verändert die Welt und auch das eigene Handeln. „Eure Güte werde den Menschen bekannt. - Sorgt euch um nichts.“

Die erste Lesung und der Psalm malen aus, was die Nähe Gottes bedeutet. „Juble, Tochter Zion, fürchte dich nicht. Der Herr, der König Israels, ist in deiner Mitte“ (Sach 3). Dem Jubel Zions entspricht der Jubel Gottes über sein Volk. Gott jauchzt und freut sich, bei seinem Volk zu sein.

Der Antwortpsalm aus dem Buch Jesaja nimmt das Motiv der Freude auf. Wie die erste und die zweite Lesung bleibt er in der Sprache der Aufforderung „Jauchzt und jubelt“ - damit ja niemand im Gottesdienst die Freudenbotschaft überhört. Dann fügt der Psalmensprecher sein Bekenntnis ein: „Ja, Gott ist meine Rettung“ (Jes 12,2). Er präzisiert sogleich: „Er ist für mich meine Rettung geworden“. Dahinter steht ein Erfahrungsprozess. Gott ist etwas für den Beter geworden, was er ihm zuvor nicht war. Am Ende steht das Bekenntnis des Geretteten. Der Psalm lädt alle Hörer ein, auch im eigenen Namen diese Verse zu sprechen und so den eigenen Standpunkt in der Beziehung zu Gott zu finden. Er ist der Ort, an dem man sich von der Botschaft betreffen lassen kann.

Aus dem Bekenntnis lässt der Psalm eine Verheißung erwachsen: „Ihr werdet Wasser schöpfen mit Freude aus den Quellen der Rettung“. Und dann zieht die Rettung Kreise. Die Geretteten werden zu Gesandten und bis an die Enden der Erde geschickt, um Gottes Handeln zu verkünden. „Gott ist in eurer Mitte“.

Auch das Evangelium wird durch die anderen Schriftlesungen in den Horizont der Rettung gestellt. Die Frage an Johannes den Täufer „Was sollen wir tun?“ steht nicht im Zusammenhang einer zeitlosen Ethik, sondern bezieht sich auf das machtvoll herannahende Reich Gottes. „Es kommt aber einer …“ Die Maßstäbe sind nicht diejenigen allgemeiner Klugheit, sondern die Maßstäbe des Reiches Gottes. Die Aufforderung des Täufers, Macht nicht zu missbrauchen und Besitz solidarisch zu teilen, ist anscheinend im Rahmen einer Normalitätsethik kaum vermittelbar. Erst muss Gott sein Kommen ankündigen, um uns im Nächsten die Schwester oder den Bruder erkennen zu lassen.


Vorschlag: Lesen Sie den Psalm aus Jesaja 12. Nehmen Sie sich Zeit für ein Gespräch mit dem Text. Welche konkreten Aufrufe enthält er? Welche Aufrufe enthalten die übrigen Lesungen? Der Psalm liest mich: Wo kann ich jetzt schon sagen: „Ich bin gerettet“? Welche Sorgen will ich abgeben? Welche Sorgen um den Nächsten will ich mir zu eigen machen?

CIG 50/2015


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