69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 20. August 2017

Kommentar: Keine Helden
Von der CIG-Redaktion
Anders zu sein, ist in einer Diktatur selten eine gute Idee. Im neuen „Star Wars“-Film kann es der Sturmtruppler FN-2187 jedoch nicht mit ansehen, wie seine weißbehelmte Armee der „Ersten Ordnung“ Dorfbewohner niedermetzelt. Ein sterbender Kamerad, dem sich der Kämpfer zuwendet, schmiert drei blutige Striemen auf dessen Helm. Derart gekennzeichnet, beginnt der Weg des jungen Mannes aus der Masse heraus. Von einem gefangenen Piloten erhält er auf der Flucht seinen Namen Finn. Finn ist kein Held, er will einfach nur weg von der „Ersten Ordnung“. Auch die zweite Hauptperson ist keine Heldin. Rey lebt als Schrottsammlerin ärmlich, aber selbstbestimmt. In den Krieg will sie sich gar nicht einmischen, sondern eigentlich nur einen Roboter zurück zu seinem Herrn bringen. Für Heldentaten gibt es in ihrem Leben wenig Platz. Mit der großen Politik haben weder Finn noch Rey etwas zu tun.

Die „Erste Ordnung“, jene Organisation der dunklen Seite der Macht, die an den Nationalsozialismus erinnert, strebt die Herrschaft über die Galaxie an. In eindrucksvollen Bildern sieht man Soldaten in Reih und Glied stehen. Ihr Handeln ist absolut gleichförmig, Helme verbergen alle Emotion. Wie anders zeigt sich dagegen der Widerstand. Es ist ein bunt gemischter Haufen, alles redet durcheinander, weint und lacht. Sein Stützpunkt ist nicht blank gewienert, sondern staubig, chaotisch und voller Leben. Das trennt Finn von seinen Sturmtruppler-Kollegen und kennzeichnet auch Rey. Für beide ist die Welt nicht einfach schwarz oder weiß, gut oder böse. Sie ordnen sich nicht in dieses übermächtige Raster der hellen und der dunklen Seite der Macht ein, wissen aber wohl, was in ihrer Situation das Richtige ist. Rey hilft dem kleinen Roboter, weil er ihr leid tut. Finn wendet sich von den Sturmtruppen ab, nicht weil er Widerstand leisten möchte, sondern weil er einfach nur nicht mitmachen will. An große Ideale glauben beide nicht, sie verlassen sich auf ihren inneren Kompass, der weniger gut und böse ausweist, sondern einfacher richtig und falsch. Das geht nicht ohne Zögern und Wanken. Weil er sich manchmal zum Guten hingezogen fühlt, ist auch der Bösewicht des Films im Zwiespalt - so sehr, dass er Darth Vader, die Verkörperung des Bösen, anfleht, ihm den „rechten“ Weg zu weisen, nicht zum guten, sondern zur dunklen Seite der Macht.

Zweifel gehören zum Menschsein. Das Universum braucht keine Helden, sondern nur Menschen, die im rechten Augenblick tun, was ihnen richtig erscheint. Was wäre wenn? Diese Fragen spielt das Weltraum-Epos durch. Der Mensch kann immer nur im Hier und Jetzt entscheiden - aber sein Bangen und Hoffen und Erwarten geht über das Anschauliche hinaus, grenzenlos, phantastisch. Vielleicht ist es das, was für viele Kinobesucher den Reiz von „Star Wars“ ausmacht.


CIG 1/2016


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