69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 20. August 2017

Kommentar: Alles wird gut
Von der CIG-Redaktion
Kaum hatte das Jahr 2016 begonnen, da fügten sich zu den Krisen in der globalen Welt neue hinzu: Das europäische Gleichgewicht wird nicht nur durch den weiter anhaltenden Flüchtlingsstrom auf die Probe gestellt. Polen, das bevölkerungsreichste osteuropäische Land, das bisher nur wenige Flüchtlinge aufnahm, hat parlamentarisch ein pro­blematisches Mediengesetz verabschiedet. Es gewährleistet den inhaltlichen und personellen Einfluss der nationalkonservativen Regierung auf die Journalisten sowie die Inhalte und beschneidet die Meinungsfreiheit stark. Hinzu kommt die Hinrichtung eines hohen schiitischen Geistlichen im sunnitisch gelenkten Saudi-Arabien, was wiederum die Islamische Republik Iran als Statthalter der Schiiten weltweit zum Protest bewegte. Beide Länder sind in Stellvertreterkriege in Syrien und im Jemen verwickelt. Der jetzige Abbruch der diplomatischen Beziehungen Saudi-Arabiens mit dem Iran bedeutet einen Tiefpunkt im ohnehin angespannten Verhältnis. Bleibt der arabisch-persische Konflikt bestehen, ist an eine Friedenslösung in Syrien nicht zu denken. Die Welt sieht düster aus. Subjektiv betrachtet, prägen die aufsehenerregenden Ereignisse und apokalyptischen Vorhersagen das Bewusstsein des Einzelnen mehr als das Gute. So kommt es, dass die Angst vor Terroranschlägen hierzulande wächst, was nach den Anschlagsdrohungen in München nachvollziehbar ist.

Doch gibt es weltweit auch Positives zu vermelden, eine staunenswerte Entwicklung: Der kanadische Evolutionspsychologe Steven Pinker hat mitgeteilt, dass wir heute „in der friedlichsten Epoche leben, seit unsere Spezies existiert“. Der Harvard-Professor beruft sich auf Erkenntnisse von verschiedenen Wissenschaftlern, wonach Gewalt insgesamt abgenommen hat, weil Menschen sich als Friedensstifter engagiert haben. Für die Menschenrechtsorganisation „Amnesty international“ war das Anlass, über ihr jüngstes Journal die Worte „Alles wird gut“ zu schreiben. Dieser Befund wurde im „Spiegel“ noch untermauert. Der in Oxford lehrende deutsche Ökonom Max Roser meint, dass die Armut weltweit „massiv abgenommen“ habe. Ist das naive Fortschrittsfrömmigkeit?

Die beiden Wissenschaftler legen den Finger in die Wunde der medial vermittelten Wirklichkeitswahrnehmung: dass Journalisten allzu oft nur das Negative sehen und vermitteln. Sie sprechen sich dafür aus, den Horizont zu weiten, auf das gute Leben zu schauen. So entsteht eine Haltung, die dem Prinzip Hoffnung Raum gibt. Es ist kein trotziges Trotzdem. Der Christus-Verkündiger Paulus, ein religiös Hoffender, schrieb vor fast 2000 Jahren: „Die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen.“ Zu ergänzen wäre: auch heute nicht.

CIG 2/2016


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