69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 26. März 2017

Kommentar: Soumission
Von der CIG-Redaktion
Der Bestseller-Zukunftsroman „Soumission“ - „Unterwerfung“ - des Schriftstellers Michel Houellebecq über eine fiktive politisch-kulturelle Machtübernahme des Islam in Frankreich 2022 ist dort erregt nicht nur von der intellektuellen Elite diskutiert worden. Den Autor bewegt allerdings weniger der Islam, der sich im Text recht kommod zeigt, als die Art, wie sich das Christentum aus Kultur und Gesellschaft aufgrund von Langeweile, Desinteresse, Apathie, Gedankenlosigkeit und Geistlosigkeit von selber verabschiedet, sich schleichend selbst aufgibt. Die Unterwerfung ist kein schwerer Akt, überhaupt nicht anstrengend, vielmehr leicht, bequem, praktisch.

Ist das nur Schwarzmalerei? Die statistischen Befunde nicht bloß aus Frankreich sprechen eine klare Sprache. Und so manche Handlung „im Kleinen“ ist ebenfalls ein Zeichen der Zeit. Soumission, die Unterwerfung und Selbstaufgabe des Christentums, hat viele Gesichter. Manches beginnt ganz harmlos, unauffällig, so dass es niemand bemerkt. Zum Beispiel war in einer Regionalzeitung über den Abriss einer alten Pflegeeinrichtung und den geplanten Neubau zu lesen, dass auch die Kapelle weichen muss. „Gotteshäuser in Alteneinrichtungen seien überholt“, schreibt die Zeitung über eine Aussage des Stiftungsdirektors. „Den Kostenträger interessiert das nicht mehr.“ Außerdem: „Wir haben heute viele verschiedene Religionen in unseren Einrichtungen, die wir als weltliche Stiftung alle berücksichtigen müssen.“ Ohnehin seien nur noch ganz wenige Heimbewohner zum Gottesdienst gekommen. Aus einem anderen - kirchlichen - Pflegeheim, dessen Träger wechselte, war vom Plan zu hören, die regelmäßige sonntägliche Eucharistiefeier abzuschaffen, weil dem Personal die Zeit fehle, die Kranken zum Gottesdienst zu bringen. Diese Dienstleistung werde nicht bezahlt.

Demnächst soll ein wegen Unwetters ausgefallener Rosenmontagsumzug in der Fastenzeit nachgeholt werden. Der Kardinal einer Karnevalshochburg hat - vorauseilend - von sich aus vorgeschlagen, dass der Sonntag „Laetare“ dafür gut geeignet sei, weil er nach der Hälfte des Fastens bereits die Osterfreude durchscheinen lasse. Die Jecken waren freilich nicht auf eine christliche Ummäntelung angewiesen und beschlossen von sich aus den Folgesonntag, den Passionssonntag.

Die Kirche hat - so scheint es - aus manch bitterer Verbotsgeschichte gelernt, die die Menschen abstößt. Sie will kein moralinsaurer Spaßverderber mehr sein. Hat sie aber wirklich das Richtige gelernt? Man stelle sich einmal vor: Karneval im Ramadan in einem islamischen Land. Gut - das kann man sich nicht vorstellen. Aber vielleicht versuchen wir es doch einmal. Nur so zum Spaß …

9/2016


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