69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 25. Juni 2017

Kommentar: Anstand
Von der CIG-Redaktion
Haltung bewahren - das bewundern viele Menschen am britischen Königshaus und insbesondere an Königin Elisabeth II., die soeben neunzig Jahre wurde. Es ist eine Institution, in der Amt und Person dicht miteinander verwoben sind, die zugleich über den Scharmützeln, Grabenkämpfen und allerlei Aufgeregtheiten der Welt zu stehen scheint. Zwar war und ist auch die Queen über menschliche Tragödien, Krisen, Konflikte, einschließlich der Skandale und Skandälchen in der eigenen Familie, „not amused“. Den manchmal steif wirkenden traditionalistischen Ritualen des Hofes wurde sogar Gefühlskälte vorgeworfen, zum Beispiel als die „Königin der Herzen“ Diana, deren dunkle Seiten später ans Licht kamen, bei einem Autounfall mit ihrem Liebhaber starb. Dennoch fasziniert es, wie ein Mensch im höchsten Amt mit Schicksalsschlägen gefasst und gelassen umgeht, ohne die eigenen Gefühle in der allgemeinen Betroffenheitsinflation drangsalierend nach außen zu tragen. Anstand, Stil, Würde, Gesicht wahren, Pflichtbewusstsein - das nötigt den Menschen im Chaos des Daseins Respekt ab.

Auch scheint das Volk einen Rest Sensibilität für die Erhabenheit und Besonderheit eines derart obersten Amtes bewahrt zu haben. Die Königin umweht immer noch ein Hauch des Sakralen, ja Religiösen, selbst in schwer säkularen Zeiten und Gegenden wie Großbritannien. Die Queen ist ebensowenig wie geistliche oder weltliche Würdenträger einfach nur ein Mensch wie du und ich. Solche Persönlichkeiten sind in ihrer Verantwortung einer anderen Autorität noch „direkter“ unterstellt, einer transzendenten, die von der Dienerin und dem Diener, der Staatsdienerin und dem Staatsdiener verlangt, Vorbild zu sein im Dienst an den „Untertanen“, am Volk.

Leider scheint das so manche Persönlichkeit in Leitungsämtern kaum zu ergreifen: anständig sein im Persönlichen wie im Öffentlichen. Der Verlust des Anstands hat sich selbst auf die „Kritiker“ ausgebreitet, ja gesamtgesellschaftlich, wie es öffentliche Äußerungen online, unter anderem in den sozialen, oft eher asozialen Netzwerken belegen: proletenhafte Schmähungen, Beleidigungen, Obszönitäten, Vulgaritäten en masse. Sogar vermeintlich intellektuelle „Satiriker“ haben sich dazu hinreißen lassen. Sie werden dafür bejubelt und verteidigt. Schämen sollen sie sich! Oft schon haben sogenannte Comedians das Heilige - bevorzugt das Christentum - verunglimpft, was den im Strafgesetzbuch formulierten Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt. Diese Fälle werden gerichtlich jedoch faktisch nie verfolgt oder geahndet. Wir amüsieren uns zu Tode. Anstand ist nicht nur eine moralische, sondern mehr noch eine ästhetische Kategorie. Anstand könnte man von der britischen Queen lernen, sogar als Deutscher. CIG

CIG 17/2016


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