69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 26. März 2017

Neue Wege für Priester
Von Amelie Tautor
Das bisherige System, katholischer Priester zu werden und Priester zu sein, ist an ein Ende gekommen. So beschreibt es der Vertreter der Priesterausbilder, Hartmut Niehues, im Interview mit der Münsteraner Kirchenzeitung „Kirche+Leben“. Die notwendige Reform betreffe auch die Gemeindeebene, die Strukturen über die Gemeinde hinaus.

Bei den Priesteramtskandidaten sei man „quasi an der Nulllinie“ angekommen. Es gebe schlichtweg keine Leute mehr. Im Bistum Münster ist dieses Jahr ein einziger ins Gemeindejahr gestartet. Gab es 2003 bundesweit noch knapp 970 Priesteramtskandidaten, reduzierte sich die Zahl 2015 auf gut 530. Das sei kein deutsches Sonderphänomen. Besonders stark ist der Abbruch dort, wo der Priesterberuf nicht mehr mit einem sozialen Aufstieg verbunden ist und entsprechend keinen hohen Status mehr genießt.

Auch die Priesterseminare beginnen, sich Gedanken zu machen, wie sie ihre Häuser besser auslasten können. Zu klein darf die Gruppe nicht sein. Es brauche eine Hausgemeinschaft, die lebensfähig ist und auch in etwa die Lebenswirklichkeit in der Gesellschaft darstellt, so Niehues. In Münster etwa werden inzwischen ebenfalls die wenigen Kandidaten der Diözesen Essen und Aachen ausgebildet. Studenten anderer Fachrichtungen leben mit den Seminaristen in Wohngemeinschaften.

Die Schweizer Bistümer stehen vor einem ähnlichen Problem. Basel hat angekündigt, seine Geistlichen künftig in Freiburg im Breisgau ausbilden zu lassen. Der Spiritual des Bistums Basel, Stephan Leimgruber, und der Luzerner Kirchenhistoriker Markus Ries befürchten infolgedessen allerdings eine Schwächung der theologischen Fakultäten in der deutschsprachigen Schweiz. Wegen verschiedener „Vorstellungen über die Zukunft der Kirche“ sei es außerdem nicht möglich, die Priester in den Bistümern Sankt Gallen, Chur, Basel sowie den deutschsprachigen Teilen der Diözesen Fribourg und Sion/Sitten gemeinsam auszubilden. Von den Plänen sind in Luzern drei Seminaristen betroffen; deren Gesamtzahl liegt in der Schweiz bei sechzig.

Der Priestermangel sei aber nur eine Seite der Medaille. Zugleich gebe es immer weniger Gemeindemitglieder, die noch die sakramentalen Dienste der Priester wahrnehmen wollen. „Neunzig Prozent unserer Leute nehmen sonntags nicht an der Eucharistiefeier teil. Beichte und Krankensalbung sind selten geworden. Es steht die Frage im Raum, ob die Menschen heutzutage überhaupt noch damit rechnen, dass Gott in ihrem Leben handelt“, beobachtet Niehues.
Die Kirche leide unter einem tiefgreifenden Verlust ihrer Glaubwürdigkeit. Um das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen, brauche es ein „bescheidenes, ja demütiges Auftreten der Kirche in der Gesellschaft“ und einen „tiefgreifenden Machtverzicht seitens der Priester“.

17/2016


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