69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 30. Juli 2017

Kommentar: Vergesst die Elite!
Von der CIG-Redaktion
Wohin treibt die Elite der Welt die Welt? Eine Umfrage unter fast 40000 Personen in 28 Staaten hat bestätigt, dass eine überwältigende Mehrheit den führenden Leuten in Wirtschaft, Politik und Kultur nicht mehr traut. Doch nicht nur Manager, Banker, Staatschefs und Parlamentarier haben Glaubwürdigkeit verspielt, auch Nichtregierungs-Organisationen, die sich immer als „die Guten“ darstellen, wenn sonstige Institutionen versagen. Die Medien, die in der Gewaltenteilung als vierte Kraft die Mächtigen kontrollieren und das Volk aufklären wollen, haben ebenso Kredit verloren. Den Kirchen geht es keinen Deut besser. Das umjubelte, vor allem sich selber umjubelnde Showbusiness hat sich in Skandalen und Dschungelcamps demontiert, deren vulgäres Schmierentheater aber von einer einst seriösen Presse willfährig mitgespielt wird.

Nach dem Ende der alten Ost-West-Konfrontation hofften viele auf eine Friedensdividende. Statt Waffen zu kaufen, sollten mit dem eingesparten Geld und Geist der Hunger besiegt, Krankheiten ausgerottet, Ungebildete gebildet, Unterdrückte an Freiheit und Fortschritt herangeführt werden. Doch gekommen ist es anders. Nun tritt in Amerika, auf das man sich als Bündnispartner trotz manchen Versagens verlassen konnte, ein polternder Präsident an die Spitze und verkündet, dass für ihn so gut wie alles Makulatur ist, was sich in langwierigen diplomatischen Prozessen durch berechenbare Regeln und Gepflogenheiten multinational wie bilateral eingespielt hat. Fällt die Nation in die Hände eines Hasardeurs? Oder ist er ein Prophet, der, obwohl aus der Elite kommend, genau der Elite entgegentritt, die versagt hat?

In vielen Nationen scheint momentan ein zügelloser Populismus voller Verführungstricks günstigen Nährboden zu finden. Dabei wollen die Menschen eigentlich nur Vertrauen - und begegnen gerade deshalb paradoxerweise vielem mit Misstrauen. Kann ein Staatsmann Vertrauen stiften, dem viele aus guten Gründen schon vor allem Anfang misstrauen, der mit zwielichtigen, ja lügnerischen Behauptungen, wirren Ankündigungen, chaotischen Haltungen und einem persönlich alles andere als moralisch integren Lebensstil in Erscheinung tritt? Wenn die Elite der Elite, die sich zumindest als solche dünkt, nichts anderes hervorbringt als den Geist geistloser Zeiten, ist es um den Geist der Vernunft, der Zivilisation geschehen. Ob beim Davoser Weltwirtschaftsforum, in Washingtons Weißem Haus, in Moskaus Kreml oder in Pekings Zhongnanhai: Der große Geist der Weltvernunft tritt dort - aber nicht nur dort - erstaunlich kleingeistig auf. Was bleibt dem Volk? Am besten: Vergesst die Elite! Verändert euren Blick! Zur Läuterung und Bildung des eigenen Gewissens wäre das schon ein Anfang.

CIG 4/2017


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