69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 26. März 2017

Kommentar: Christ Präsident
Von der CIG-Redaktion
Deutschland hat keine Queen, wohl aber einen Bundespräsidenten, der über den Parteiungen und dem Parteiengezänk steht. Daher kommen manche Wahlmänner und Wahlfrauen der Bundesversammlung nicht nur aus den Parlamenten, sondern von der „Basis“, allerdings von den Parteien nominiert. Wie jedes Mal suchen sich diese zur Eigenwerbung Promis aus dem Show-Establishment aus. Mit Erfolg. Auf die Unterhaltungs-Größen, die Tag für Tag die bunten Schlagzeilen beherrschen und sich überall in den Vordergrund schieben, richtete sich auch jetzt wieder das Hauptaugenmerk der Medien. Dagegen bleiben jene, die die eigentlichen Leistungen für den Fortschritt der Menschheit wie des Volkes erbringen, wie so oft im Dunkeln. Es sind die Wissenschaftler, die Alten­pflegerinnen, die Lehrer, die vielen einfachen Leute, die ohne Affektiertheit, Glamour und ohne die Pseudo-Aufgeregtheiten von „Bild“, Facebook und Co. im Stillen ihren Dienst tun. Ohne sie würde diese Gesellschaft als freiheitliche und dieser Staat als Wohlfahrts- und Rechtsstaat jedoch nicht bestehen.

Immerhin ist mit dem Bundespräsidenten selber eine Person auserkoren, die außerhalb des hysterisch aufgebauschten Politikbetriebs voller trivialer „Wadenzwickereien“ eher im Stillen wirkt. Er repräsentiert den humanistischen Geist der Republik. Dem höchsten Staatsamt ohne durchgreifende tagespolitische Vollmachten haftet weiter die Aura von etwas Sakralem, Erhabenem an. Es ist der letzte Rest jener Ahnung, dass alle entscheidende Herrschaft im Grunde eben doch nicht vom Volke oder von sonstig Irdischem ausgeht, sondern von etwas Transzendentem, das jenseits weltlicher Macht wie Machenschaften liegt. Es gibt nicht mehr viele Ämter, die das verkörpern: reinen Dienst und nichts als Dienst. Selbst in der Kirche ist diese Erfahrung rar geworden.

Mit Frank-Walter Steinmeier ist zudem erneut eine Persönlichkeit gewählt worden, die ihr persönliches Christsein nicht versteckt, sondern in aller Unaufdringlichkeit bekennt. Überhaupt ist erstaunlich, dass bisher alle Bundespräsidenten zutiefst Christen waren, was man nicht von allen Bundeskanzlern, den real Mächtigen, so sagen kann. Für ein Gemeinwesen, das sich extrem säkularisiert und über weite Teile seinen christlichen Glauben aufgegeben hat, ist diese letzte kritische Erinnerung an das geistig Tragende durch den Inhaber des formal höchsten Staatsamts nicht zu unterschätzen. Ein wahrer Christ an der Spitze der Bundesrepublik Deutschland - das ist mehr wert als jedes Lippenbekenntnis zu einem abstrakten „christlichen Menschenbild“ oder der Begriff „Gott“ in der Präambel des Grundgesetzes. Auch ein wenig brillierender Steinmeier sagt damit mehr als Worte.

CIG 8/2017


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