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Weite Bereiche der katholischen Kirche in unseren Breiten leiden zur Zeit unter einem dramatischen Schwund an „Priestern in Ruf- und Reichweite", wie es in einem Dokument der deutschen Bischöfe von 1977 heißt. In dieser Notlage hat sich in vielen Diözesen eine Doppelstrategie herausgebildet. Einerseits wird die Lage „raumpflegerisch" bearbeitet. Die Seelsorgsräume werden so lange vergrößert, bis wieder jeder Raum einen verantwortlichen Priester hat. Im schlimmsten Fall erreicht ein Seelsorgsraum die Größe einer Diözese, eine Entwicklung, die sich in Frankreich bereits beobachten lässt.Andererseits wird die Notlage des Pfarrermangels als Chance zur Durchführung der schleppenden Konzilsbeschlüsse umgedeutet. Dieses Programm läuft unter dem Titel „kooperative Pastoral". Der Pfarrermangel wird zur längst fälligen Gemeindeentwicklung und in deren Rahmen zur Förderung von Gemeindemitgliedern genützt, die ihre unvertretbare Berufung erkennen sowie die ihnen mit der Kirchenberufung geschenkten Charismen zum Wohl der Gemeinde einbringen.
Kirche ohne Sakramente
Das Fehlen von Priestern für die Gemeinden hat außerdem zu einer weiteren, höchst fragwürdigen Entwicklung geführt. Immer mehr traditionell an das priesterliche Amt gebundene Aufgaben wandern zu überwiegend hauptamtlichen Laien. Der kirchenrechtliche Sprachgebrauch dafür lautet, dass Laien neben dem ihnen „eigenen beruflichen Auftrag zur Übernahme einzelner Aufgaben des kirchlichen Amtes herangezogen" werden können. Im einzelnen werden genannt: Kommunionspendung, Leitung von Wortgottesfeiern, Predigtdienst, Leitung von Trauer- und Begräbnisfeiern.
Der Katalog solcher Aufgaben weitet sich immer mehr aus. So werden etwa in der Schweiz hauptamtliche Laien- Gemeindeleiter beauftragt, bei Trauungen zu assistieren, zu taufen und eine Gemeinde - faktisch - zu leiten, und das - so die listige Sprachregelung etwa im Bistum Speyer - mit einer „Ganzverantwortung", wenngleich nicht mit einer „Letztverantwortung". Denn diese liegt bei dem im Hintergrund wirkenden Moderator, der ein Priester sein muss.
Theologisch bedeutet diese Entwicklung einen „heilsamen Unsinn": Heilsam sind diese Entwicklungen,weil es besser ist, wenn überhaupt irgendjemand diese amtlichen Aufgaben wahrnimmt. Der Unsinn liegt darin, dass hier ein Amt ohne Weihe sich ausbildet. Die Tatsache der „ungeweihten Laienpriester" verdunkelt sowohl die ursprünglichen Laienberufe (Pastoralreferenten, Gemeindereferentinnen), als es auch letztlich die Priesterweihe zunehmend abwertet, ja überflüssig macht,weil die meisten an das Priesteramt gebundenen Aufgaben nunmehr auch von (zudem verheirateten) Laien erledigt werden können.
Eucharistische Ausdünnung
Für die gesamtkirchliche Entwicklung wirkt sich positiv aus, dass auf diesem Weg ohne große Umstände und weithin unbemerkt faktisch auch Frauen ins Amt gelangen und die Leute anfangen, sich daran zu gewöhnen. Nicht zu übersehen ist zudem, dass diese Entwicklung einerseits das Ergebnis eines Sogs ins Priesteramt ist: die unbesetzten Priesterstellen ziehen Laien - und auch Diakone - an. Zugleich gibt es ebenso einen Drang von Hauptamtlichen in solche Aufgaben. Denn diese sind in der kirchlichen Öffentlichkeit höher angesehen, eröffnen über den Zugang zur Schlüsselgewalt in der Kirche auch mehr freien Handlungsspielraum und bringen nicht zuletzt auch mehr Sozialprestige und zugleich auch höheres Einkommen.
Solch „heilsamer Unsinn" wird von nicht wenigen als Übergangsregelung in Kauf genommen. Es sei immer hinzuzufügen, so die kirchlichen Texte, dass es sich um eine Notlage handelt, für die wir zur Zeit eben keine andere Möglichkeit besitzen. Diese Notlage wird noch dadurch verschärft, dass sie ein zentrales Problem nicht löst: Das ist die zunehmende Ausdünnung des kirchlichen Lebens hierzulande an Eucharistiefeiern und insbesondere im krankenseelsorglichen Bereich an Krankensakramenten.
Immer mehr westeuropäische Kirchenregionen nähern sich damit einer Art kirchlichen Lebens, das in Missionsgebieten schon jahrhundertelang der Normalfall ist: dass die Feier der Eucharistie zu einem seltenen Ereignis werden wird, an wenigen Sonntagen und manchmal auch an einem Wochentag während eines Jahres. Der Unterschied zwischen den Missionsgebieten und den alten Kirchengebieten ist allerdings beträchtlich. Die Missionsgebiete kennen kein anderes kirchliches Leben als das mit den ganz seltenen Eucharistiefeiern und ganz wenigen, manchmal vorbeireisenden Priestern.
Wenn die Not zur Normalität wird...
Westeuropas Kirchen, die zur Zeit ihren Klerus verlieren, hatten über undenkliche Zeiten hinweg eine sehr hohe sakramentale Versorgung, die auch durch Predigt und Kirchenrecht massiv eingeklagt worden ist.Wer seine Sonntagspflicht nicht erfüllt, versündigt sich schwer gegenüber seiner Kirche und darin auch gegenüber Gott. Sonntagspflicht bedeutet aber selbstverständlich Kirchenbesuch und damit Messe.
anz auf dieser Linie liegt die Wertschätzung der sonntäglichen Eucharistiefeier im Liturgiedekret des Zweiten Vatikanischen Konzils: „Dennoch ist die Liturgie der Höhepunkt, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt. Denn die apostolische Arbeit ist darauf hingeordnet, dass alle, durch Glauben und Taufe Kinder Gottes geworden, sich versammeln, inmitten der Kirche Gott loben, am Opfer teilnehmen und das Herrenmahl genießen. Andererseits treibt die Liturgie die Gläubigen an, dass sie, mit den ,österlichen Geheimnissen' gesättigt, ,in Liebe eines Herzens sind'; sie betet, dass sie ,im Leben festhalten, was sie im Glauben empfangen haben'; wenn der Bund Gottes mit den Menschen in der Feier der Eucharistie neu bekräftigt wird, werden die Gläubigen von der drängenden Liebe Christi angezogen und entzündet. Aus der Liturgie, besonders aus der Eucharistie, fließt uns wie aus einer Quelle die Gnade zu; in höchstem Maß werden in Christus die Heiligung der Menschen und die Verherrlichung Gottes verwirklicht, auf die alles Tun der Kirche als auf sein Ziel hinstrebt" (Artikel 10).
Der Pfarrermangel hat somit zur Folge, dass die Kirche die Menschen hierzulande auf eine Kirche mit weniger, ja nach und nach mit einem Minimum an Sakramenten vorbereitet (Reinhold Stecher). Dieser Gewichtsverlust der sakramentalen Dimension wird langfristig im Bewusstsein unserer Kirchenmitglieder auch die Kirche selbst als das Grundsakrament abwerten. Denn die Kirche demonstriert im Zuge der Verwaltung des Priestermangels, dass es „zur Not" auch ohne Sakramente und Priester geht. Von der Not zur Normalität ist aber der Weg nicht weit.
Wir haben uns seit geraumer Zeit pastoraltheologisch mit dieser Entwicklung beschäftigt (vgl. Jan Kerkhoffs/ Paul M.Zulehner, „Europa ohne Priester?", 1995, und Fritz Lobinger, „Wie Gemeinden Priester finden", 1998).
Wir schlagen für die kommende Entwicklung einen neuen (Aus-)Weg vor. Dabei ist es uns wichtig, nicht nur das Ziel genau zu beschreiben, sondern jetzt schon mitzubedenken, wie es praktisch erreicht werden kann und was für erwünschte und unerwünschte Nebenwirkungen sich im kirchlichen Leben ergeben können, wenn der Weg zu diesem Ziel eines Tages eingeschlagen wird.
Entwickelte Gemeinden
1. Im Mittelpunkt steht die - durch das Zweite Vatikanische Konzil im Rückgriff auf die biblischen Gründungsurkunden und die reiche kirchliche Tradition gestützte - Vertiefung der Sicht der Kirche. Diese ist Gottes Volk, das von Gott selbst aufgebaut wird, indem er ihm unentwegt aus allen Völkern und Sprachen Menschen hinzufügt (Apg 2,47), diese Menschen also beruft, was in den Sakramenten der Eingliederung in die Kirche gefeiert wird, und sie auch mit reichen Geistesgaben (Charismen) zum Aufbau der Kirche in ihren Gemeinden beschenkt. Dieser Kirche ist von Gott das (priesterliche) Amt geschenkt. Damit sie nie vergisst, dass sie sich nicht selbst schafft, sondern sich Gott verdankt. Hauptaufgabe der bestellten Amtsträger ist es, die anvertrauten Gemeinden in der Spur des Evangeliums und im Verbund mit den anderen Evangeliumsgemeinden zu halten.Daher ist eines der zentralen Symbole der Weihe in ein kirchliches Amt die Überreichung des Evangeliums: dem Bischof wird es aufs Haupt gelegt - das Evangelium wohlgemerkt, nicht das Kirchenrecht.
2. Vor dem Hintergrund der kirchlichen Gewohnheiten in den letzten Jahrhunderten ist es erforderlich, die Gemeinden und die „Hinzugefügten" so zu entwickeln, dass diese in unvertretbarer Eigenverantwortung das Leben und Wirken ihrer Gemeinde tragen und verantworten.
3. Kein Lösungsvorschlag für den derzeit sich in vielen Regionen ausbreitenden Pfarrermangel darf dieses Ziel behindern. Das wäre aber unserer Meinung nach dann der Fall, wenn in wenig entwickelten Gemeinden der scheidende Pfarrer lediglich durch einen Priesterersatz ersetzt wird - sich aber ansonsten am gemeindlichen Leben nichts ändert. Das kann auch dann geschehen, wenn ein Hauptamtlicher bestellt wird, dem die nach wie vor versorgten Kirchenmitglieder die gleichen Erwartungen entgegenbringen wie dem bisherigen Kleriker, oder wenn er sich aus berufssoziologischen Gründen in die Rolle eines Klerikers begibt, nunmehr freilich nicht in der Form eines Klerikers, sondern eines Pastoral-Fachmannes. Die Kirche würde auf diesem Weg nur von einer Priesterkirche in eine Expertenkirche umgeformt werden. Das wäre dann aber nichts anderes als ein modernisierter Klerikalismus. Zwar würde damit der Priestermangel in kurzer Zeit beseitigt werden können. Die vom Konzil gewollte Erneuerung des kirchlichen Lebens in den Pfarrgemeinden bliebe aber nach wie vor aus, noch mehr: Sie könnte dadurch sogar behindert werden.
Vorschlag für zwei Priestertypen
4. Es gibt bislang drei praktische Lösungsvorschläge, um den drastischen Priestermangel zu verarbeiten, einen traditionellen, einen pragmatischen und einen reformistischen:
Traditionell: Das Gebet um mehr herkömmliche Priester aus der Gruppe eheloser akademisch gebildeter Männer soll verstärkt werden. Es sollen Priester aus priesterreichen Gegenden in priesterarme gehen; die Berufungspastoral und - als Teil von ihr - die Werbung für kirchliche Berufe soll intensiviert werden.
Pragmatisch: (hauptamtliche) Laien (und Diakone) übernehmen (zur Not) presbyterale Aufgaben.Als Begleitmaßnahme wird die Größe der Seelsorgsräume der verfügbaren Zahl von Priestern angepasst.
Reformistisch: Die Gruppe, aus der Priester genommen werden, soll durch Änderung der Zulassungsbedingungen (Geschlecht, Ausbildung, Lebensform) vergrößert werden. Dadurch könnten die fehlenden Geistlichen rasch ersetzt werden.
5. Wir machen einen vierten Vorschlag: Nicht die fehlenden Priester sollen rasch ersetzt werden. Vielmehr soll der herkömmliche Priestertyp durch einen zweiten Priestertyp ergänzt werden. Inspiriert sind wir bei diesem Vorschlag durch die paulinischen Gemeindeberichte. Diese kennen gleichfalls zwei Priestertypen: einen gemeindegründerisch- missionarischen Typ - Paulus selbst - und in den einzelnen Gemeinden einen gemeindeleitenden, gottesdienstvorstehenden Typ - die Presbyter etwa in Korinth. Wir schlagen daher vor, diese beiden Priestertypen „Pauluspriester" und „Korinthpriester" zu nennen.
Das sind die entscheidenden Unterschiede zwischen den beiden Typen: Korinthpriester werden für priesterliche Aufgaben in jener Gemeinde bestellt, aus der sie kommen, und sie existieren immer als ein Team, nicht als Einzelne. Der erste Schritt ist dabei nicht die Suche nach einer Priesterberufung, die im Herzen der Einzelnen aufbricht, sondern es ist die Gemeinde, die gemeindeerfahrene Personen sucht (viri probati), die sie für das Priesteramt erwählt und die der Bischof in einem Gottesdienst in ein gemeindliches Presbyterium hineinweiht. Sie stehen der Eucharistiefeier vor und leiten aus deren Mitte her die Gläubigen, indem sie die Gemeinde, die sie erwählt hat, in der Spur des Evangeliums halten. Pauluspriester wiederum wissen sich zunächst als Person zum Priesteramt berufen und werden dann zu einer amtlichen Aufgabe bestellt. Ihr Auftrag ist es, mit dem anvertrauten Evangelium Gemeinden zu gründen sowie gegründete Gemeinden und deren „Korinthpriesterteam" zu begleiten.
6. Zu den beiden Priestertypen gibt es unterschiedliche Zugänge und Voraussetzungen. Die Pauluspriester kommen nach wie vor aus der Gruppe der ehelosen, akademisch gebildeten Männer (und in einer nicht bestimmbaren Zeit auch wohl der Frauen). Dieser Typ des Priesteramts wird zumeist hauptamtlich ausgeübt. Angemerkt sei, dass Papst Pius IX. in einer theologisch gewichtigen Enzyklika schrieb, dass sich der Pontifex Romanus „nie und nimmer" anfreunden werde mit Demokratie,Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und vor allem nicht mit der Religionsfreiheit. 101 Jahre später verabschiedete das Zweite Vatikanische Konzil sein Dekret über die Religionsfreiheit. Papst Johannes Paul II. betonte, dass sich die katholische Kirche „nie und nimmer" aus Treue zu Christus bereit finden dürfe, Frauen ins Priesteramt zu weihen. War dies möglicherweise auch der Anfang eines „Countdowns", einer Veränderung? Und wenn ja:Wie lange könnte diese nunmehr dauern?
Die Korinthpriester hingegen kommen aus einem anderen Umfeld. Im Mittelpunkt steht jetzt die Gemeindeerfahrung, was sie in diesem und nur in diesem Sinn zu „viri probati" macht. Möglich ist, dass sie verheiratet sind. Sie werden in ein gemeindliches Presbyterium hineingeweiht, in dem es vielleicht in unbestimmter Zeit auch Frauen geben wird; ihre Ausbildung ist wie ihre Fortbildung berufsbegleitend, die Ausübung dieses Priesteramtes ist im Normalfall ehrenamtlich.
Ein Ausweg aus der Zölibatsdebatte
7. Die katholische Kirche könnte dann auch für die leidige Zölibatsdebatte einen überraschenden Ausweg finden. Sie braucht einerseits den Pflichtzölibat nicht aufheben. Dieser bleibt für die Pauluspriester bestehen. Andererseits gibt es daneben auch verheiratete Priester, aber eben eines anderen Typs. Die Lösung liegt daher nicht in der (liberal konzipierten) Freistellung des Zölibats, sondern in der (pastoral begründeten) Entwicklung des neuen Typs von Korinthpriestern. Das ergibt eine gewisse Wahlfreiheit für die ehelose Lebensform. Diese Wahl erfolgt aber nicht direkt, sondern indirekt über die Wahl des jeweiligen Priestertyps. Ein junger Mensch, der Priester werden will, kann sich dann entweder für den Weg ins ehelos konzipierte Pauluspriesteramt entscheiden, oder er lebt längere Zeit in einer Gemeinde mit in der Hoffnung, dass er sich gemeindlich so bewährt, dass die Gemeinde ihn in ein Korinthpriesteramt wählt.
Auf diesem Weg könnte dann auch eine entängstigte Zölibatspolitik erfolgen. Nach allen vorliegenden Studien wäre derzeit die Freistellung des Zölibats für Weltpriester zugleich dessen Abschaffung. So überrascht es nicht, dass in der griechisch-katholischen Kirche von den Weltpriestern mehr als 97 Prozent verheiratet sind. Daher fordern immer mehr vor einer Freistellung eine Aufwertung des Zölibats; am besten dadurch, dass das Priesteramt selbst zuvor gesplittet wird in Pauluspriester und Korinthpriester und die Ehelosigkeit mit dem hochwertigen Pauluspriesteramt verbunden bliebe.
8. Dieser Vorschlag, mit dem Priestermangel produktiv umzugehen, indem man ein Amt weiterentwickelt, hat einen weiteren Vorteil. Würden wir heute an die Stelle der fehlenden (ehelosen) Priester „viri probati" setzen, wäre das mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit keine Förderung der längst in vielen Pfarreien noch ausstehenden inneren Gemeindeentwicklung. Korinthpriester soll es unserer Ansicht nach nur in gut entwickelten Gemeinden geben, die für die Grundvollzüge ihres Lebens und Wirkens handlungsfähige Arbeitsteams ausgebildet haben. Sie leben dann aus eigener Kraft und nicht durch das Wirken des zu ihnen gesandten Priesters.
Relative und absolute Weihe
Pauluspriester wiederum sollten nicht nur Presbyterien von Korinthpriestern begleiten, sondern zugleich auch bevorzugt in weniger entwickelte Gemeinden geschickt werden. Dort könnten sie sich gemeindegründerisch betätigen, indem sie den Umbau von versorgten in selbstsorgende Gemeinden - vielleicht in Zusammenarbeit mit einer guten Gemeindeberatung - vorantreiben.
Wir halten diesen Vorschlag kirchengeschichtlich keineswegs für besonders neu oder originell. Schon unsere Benennungen erinnert an die Situation in neutestamentlichen Gemeinden. Später gab es die Praxis einer relativen und einer absoluten Weihe. Relativ geweiht wurde jemand zumeist aus einer und für eine bestimmte Pfarrgemeinde, für absolut Geweihte dagegen musste erst eine Gemeinde gesucht werden. Relativ Geweihte sind somit stärker ortsgebunden als die mobilen absolut Geweihten - mit je eigenen Vor- und Nachteilen.
Diese zwei Variationen sind bis auf den heutigen Tag nicht in Vergessenheit geraten. Die „Ordnung der pastoralen Dienste", 1977 von den deutschen Bischöfen als Konkretisierung der weltkirchlichen Vorgaben herausgebracht, beschreibt das Priesteramt so: Aufgabe der Priester ist es, „Gemeinden zu gründen und zu leiten". Die Entwicklung des gemeindeleitenden Typs der Korinthpriester könnte dazu führen, dass die gemeindegründerische Tätigkeit von Priestern im Modus des Pauluspriesters wieder verstärkt würde. Das könnte dem in unseren Breiten so sehr gewünschten missionarischen Schwung der gesamten Seelsorge einen mächtigen Schub verleihen.
Paul M. Zulehner, Pastoraltheologe und Religionssoziologe in Wien.
Fritz Lobinger, seit 1956 Missionar in Afrika, war zuletzt Bischof von Aliwal North/Südafrika.
CIG 42/2002
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