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Schifferle, Alois: Die Pius-Bruderschaft
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Informationen - Positionen - Perspektiven (Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer 2009, 399 S., 29,90 €).
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Der Pastoraltheologe Alois Schifferle, ein Kenner des Konflikts um die traditionalistischen Lefebvre-Leute und die Pius-Bruderschaft, hatte bereits 1983 dazu Untersuchungen veröffentlicht. Mit dem vorliegenden aufklärend-kritischen Band schließt er daran an. Das Kompendium nimmt die Person von Marcel Lefebvre in den Blick und analysiert systematisch die Facetten des Kirchenstreits: die Geschichte der Bewegung und wie der Vatikan reagierte, Entstehung des Traditionalismus insbesondere in Frankreich, die Dialogversuche des Vatikans, die jüngere Debatte über Tradition und Glaube. Auf mehr als hundert Seiten, ein Viertel des Gesamtumfangs, hat der Autor zudem kritische Stimmen aus Zeitungen und Zeitschriften sowie weiterführende Literatur beigefügt.
Schifferle versteht Tradition dynamisch. Sie schöpft aus biblischer Überlieferung, würdigt die lehramtliche Entwicklung und führt beides im Sinne des Aggiornamento, der Verheutigung, „lebendig, glaubwürdig und menschennah" in die Zukunft, auch in der Liturgie. Schifferle erinnert an eine Bemerkung des Jesuiten und Publizisten Mario von Galli: „Tradition ist begrifflich nie ganz einzugrenzen. Es ist eine Aufgabe! Eine gefährliche Aufgabe!"
Wolfgang Beinert wiederum sieht das Zweite Vatikanische Konzil im Band „Vatikan und Pius-Brüder" - unter Aufnahme eines Zitats von Papst Johannes XXIII. - als einen „Sprung nach vorn". Er räumt ein, dass derzeit diese Aufgabe kirchlich wohl besser mit dem Begriff „gehemmter Sprung" (Helmut Krätzl) wiedergegeben wird. Solchen Hemmungen begegnen die zwölf versammelten Beiträge mit Sachlichkeit, damit verlorenes Vertrauen unter den Christen zurückgewonnen wird. Texte von Theologen verschiedener Schulen - unter anderem Hermann Josef Pottmeyer, Magnus Striet, Peter Hünermann, Kurt Koch - sowie zweier Journalisten und die wichtigsten kirchlichen Dokumente zum Konflikt sind zusammengestellt, um der „Anatomie einer Krise" geistige Gestalt zu geben.
Wolfgang Beinert ist der Auffassung, dass die Konzilsgeschichte einen komplexen Prozess darstellt. Wer über die Verbindlichkeit lehramtlicher Äußerungen spricht, ist aber vom „interpretatorischen Geschäft" nicht entbunden. Das Zweite Vatikanische Konzil war „ein Konzil wie kein Konzil", gerade weil die Konzilsväter sich der Moderne geöffnet haben. Man komme nicht umhin zu sagen, dass diese Kirchenversammlung, „in der Kette der Ökumenischen Konzilien stehend, durchaus eine einzig- und eigenartige Stellung besetzt".
Jürgen Springer
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