65. JAHRGANG 2013WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 23. Juni 2013

Kunstmann, Joachim: Rückkehr der Religion
Glaube, Gott und Kirche neu verstehen
(Gütersloher Verlagshaus, 2010, 318 S., 24,95 €).
Die prägende Kraft der Kirchen hat massiv nachgelassen. Auf der anderen Seite gibt es Aufmerksamkeit für Religion. Der Religionspädagoge Joachim Kunstmann folgert daraus, dass dieses „neue Interesse die Frage und die Suche nach etwas Verlorengegangenem ist, nach etwas, das die Kirchen selbst vergessen haben". Der Autor will „zeigen, dass das Christentum über ungehobene Schätze und eine Lebensklugheit verfügt, die selbst im eigenen Haus oft kaum noch bekannt sind".

Es gelingt dem Verfasser, anregende Perspektiven herauszuarbeiten, wie eine „attraktive christliche Religionspraxis" aussehen könnte. Er verlangt Konzentration auf das Ureigene: Mut, die Kirchenräume wieder als sakrale Räume zu „inszenieren", das Heilige erfahrbar werden zu lassen, den Mysteriencharakter der Liturgie zu entfalten, die „Kultur als Herz der Religion" zu entdecken und so das riesige Potenzial an Lebenskunst in den Blick zu bekommen, das die christliche Tradition birgt.

Neu sind diese Perspektiven freilich nicht. Ähnlich hatte schon Guardini geklungen. Aber spannend ist, dass der Autor all dies aus einem ganz anderen Lebenskontext heraus entwickelt. Wenn er auf die „zentrale Bedeutung des religiösen Gesprächs" hinweist, plädiert er für den Vorrang der Seelsorge. Wenn man bedenkt, womit sich kirchenamtliche Äußerungen zuletzt befasst haben, in welch seelenlose und inkompetente Strukturveränderungen kirchliche Verwaltungen und Ämter Energien investiert und unzählige Menschen damit verletzt haben - nicht umsonst macht das verbitterte Wort von den „Seelsorgskolchosen" die Runde -, spürt man: Der Mann hat recht! Eine Kirche mit Mut, das Eigene zu tun, hätte wieder etwas zu sagen.

Arno Zahlauer



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