69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 26. Februar 2017

Clauss, Manfred: Athanasius der Große
Der unbeugsame Heilige
(Philipp von Zabern Verlag, Darmstadt 2016, 256 S. mit 20 s/w-Abb. und Karten, 29,95 €)
Aufregender und irritierender kann Kirchengeschichte kaum sein: Was wir heute Christentum nennen, entwickelte sich einst erst in heftigsten Auseinandersetzungen und Kämpfen. Die Jahrhundertfigur des Alexandriner Bischofs und Kirchenlehrers Athanasius (um 300-373) führt mitten hinein in die kaiserlichen und kirchlichen Machtspiele beziehungsweise Interessenlagen zwischen Ost und West, nicht zuletzt in die Konfessionskämpfe um die Identität und Einheit des Christlichen selbst. „Es seufzte der Erdkreis und wunderte sich, dass er arianisch geworden war“, meinte zum Beispiel Hieronymus.

Mitten in dieser Konstantinischen Wende zum staatlich anerkannten Christentum und im entstehenden Mönchtum als jesuanischer Alternativbewegung steht Athanasius, mit gerade dreißig Jahren - und vielen Tricks - Bischof in der Kulturmetropole Alexandria geworden und trotz fünfmaligem Exil geblieben. „Das Machtbewusstsein des Patriarchen, seine Kompromisslosigkeit und die damit einhergehende Gewaltbereitschaft “ prägten die fast fünfzig Jahre, die seit dem ersten Konzil in Nizäa vergangen waren. Sein Gegner Kaiser Julian nannte Athanasius „diesen unverwüstlichen Intriganten, diesen Unruhestift er“. In der bis heute aktuellen Jahrhundertfrage, ob in Jesus Christus wirklich Gott selbst begegnet, blieb Athanasius unbeirrt auf der Linie des ersten Konzils, der Wesenseinheit von Jesus und Gott. Das brachte ihm - durchaus mit Gründen - den Ehrentitel „der Große“ ein. Auch dass er das spirituelle Bestseller- Buch des Jahrhunderts, das Leben des Mönchvaters Antonius, schrieb, gehört zu den großen Verdiensten Athanasius’. Wie sehr trotzdem die Treue zum Evangelium verquickt sein kann mit eklatanten menschlichen Schwächen, schier unglaublichem Intrigantentum und unbekümmerter Gewaltbereitschaft , ist zwar auch dem Zeitgeist damals geschuldet, gibt aber doch nachdrücklich zu denken - in der heutigen Zeit erst recht, in der dem Christentum seine imperialen Anwandlungen und konstantinischen Verhaltensweisen genommen werden.

So zeichnet der Frankfurter Althistoriker und Theologe Manfred Clauss kompetent, anschaulich und sehr gut lesbar nicht nur das Porträt eines imponierenden, befremdlichen, schwierigen Kirchenvaters, sondern das Bild eines ganzen Jahrhunderts.

Gotthard Fuchs

CIG 21/2016




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