69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 23. April 2017

Von Köln nach Königsberg

CIG-Autor Christian Heidrich auf dem Weg
15.08.2014
August
In den herausgeputzten Harz-Städtchen wird bereits „Federweißer“ angeboten. Ein Getränk, dessen großer Vorzug darin bestehen soll, als „neuer Wein“ zu gelten, der diesjährigen Ernte zu entstammen. Mich erschreckt es, dass die Weinlese - es ist Mitte August - schon im Gange ist. In Rheinhessen sagten wir „herbsten“, und das hatte für uns als Schüler nicht nur mit einer guten Verdienstmöglichkeit bei der Weinlese zu tun, sondern auch mit den Herbstferien. Jetzt wird also schon im August geerntet. Eine Folge der Klimaerwärmung, von neuen Rebsorten?

Es ist gar nicht so einfach, die Farbe dieses Monats festzuhalten. Während der Juli ein klassischer Sommermonat ist und der September eindeutig den Herbst anklingen lässt, steht der August irgendwo dazwischen (fast ist man geneigt, seinen Namen auf der ersten Silbe zu betonen). Es ist warm, manchmal auch heiß, hin und wieder regnet es heftig, die Morgen- und Abendkühle nimmt merklich zu, die langen hellen Tage sind vorüber. Viele Obstbäume warten noch auf die Ernte, manches Feld auf den Schnitter, aber auch hier ist schon vieles vollbracht. Reife Brombeeren, gleichzeitig werden die stacheligen Kastanien immer größer. Ein denkwürdiger Monat also voller Überraschungen und Neuanfänge. Er macht es uns nicht einfach, wartet vielleicht darauf, dass wir auf seine Zeichen achten. Kaum etwas Traurigeres gibt es, als eine verpasste Ernte; als ein Starren auf das Gestern, das die Angebote des heutigen Tages übersieht. Der August, dann doch richtig betont, fordert unsere Intelligenz heraus.

Am Rande: „Soljanka“ steht auf der Speisekarte und eine Karl Marx-Büste kann unschwer entdeckt werden - sichere Kennzeichen, dass sich der Wanderer auf ehemaligem DDR-Gebiet befindet. Andere Wahrnehmungen können als subjektiv gelten.


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