69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 24. September 2017


Das Lefebvre-Unheil und die deutlichen Aussagen zweier österreichischer Bischöfe
Von CIG-Redaktion
Stärker noch als etliche andere Kirchenführer haben zwei österreichische Bischöfe die Befürchtung geäußert, dass mit dem jüngsten unheilvollen vatikanischen Versuch, vier Lefebvre-Bischöfe ohne klare Vorbedingungen zu rehabilitieren, vor allem dem Zweiten Vatikanischen Konzil Schaden zugefügt wurde. Bischof Manfred Scheuer von Innsbruck sagte, die erste Phase der Aufhebung der Exkommunikation sei einer „Selbstdemontage des Lehramts" gleichgekommen. Erst in der vatikanischen Erklärung vom 4. Februar sei klargestellt worden, dass für Verhandlungen mit den Lefebvrianern die Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils notwendig ist. Scheuer: „Beim Zweiten Vatikanum geht es nicht um Marginalien, sondern um Grundfragen unseres Glaubens. Es geht um den universalen Heilswillen Gottes und um die Wurzeln des christlichen Glaubens, die im Judentum liegen." Es gehe aber auch um die Ökumene oder die Religionsfreiheit. All dies dürfe nicht zur Disposition gestellt werden. Das Anliegen des Papstes, für die Einheit der Kirche zu sorgen, sei sehr ernstzunehmen. Aber: „Wenn die Einheit der Kirche dadurch erreicht werden soll, dass wesentliche Errungenschaften des Zweiten Vatikanums negiert werden, so wäre dies keine Einheit, sondern eine neue Spaltung."

Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser sieht in der verstärkten Rückbesinnung auf das letzte Konzil den Weg aus der gegenwärtigen Kirchenkrise. Es sei an der Zeit, „das Konzil wieder zu vermitteln, auf allen Ebenen und in allen Gruppierungen …, auch, indem wir die Texte des Konzils gemeinsam bedenken und so ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken". Ureigenste Aufgabe der Kirche sei es, „bei Gott und bei den Menschen zu sein". In einer Zeit, in der die Gottesfrage höchst dringlich ge­worden ist, könne es sich die Kirche nicht leisten, langsam das Wesentliche zu verlieren.

Der Erzbischof spricht sich gegen ein „Gesundschrumpfen" der katholischen Kirche zu einer „Sekte" aus, wo nur wenige, dafür aber „linientreue" Mitglieder dabei sind. Die katholische Kirche müsse vielmehr Kirche Jesu Christi bleiben, „die Raum für Vielfalt bietet, offen ist und Gesellschaft von innen her prägt".
Zu den Lefebvre-Anhängern erklärt Kothgasser: „Wer das Zweite Vatikanische Konzil ablehnt, befindet sich nicht mehr auf dem Boden der römisch-katholischen Kirche." Nach all den Aussagen von Mitgliedern der Piusbruderschaft in letzter Zeit über wichtige Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils sei nicht zu erwarten, dass es zu einer Wiedervereinigung kommen kann, wenn die Bedingungen dafür nicht eindeutig und klar formuliert sind. Eigentlich hätten sich die Lefebvrianer selbst aus der katholischen Kirche ausgeschlossen. Es sei höchst bedauerlich, „dass wir uns mit diesen Fragen auseinandersetzen müssen in einer Zeit, in der der Dienst am Evangelium und an den Menschen unsere ganze Hingabe und unseren verstärkten Einsatz erfordert".


CIG 8/2009

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