69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 24. September 2017


Es sind die Kirchentreuen
Von Johannes Röser
Noch ist es zu früh, um zu beurteilen, ob durch die vatikanischen Ereignisse um die vier Lefebvre-Bischöfe der katholischen Kirche ein Dauerschaden entstanden ist. Die Aufregung und Empörung aus der Mitte des Gottesvolkes jedenfalls sind beträchtlich. Denn nach der ersten fassungslosen Erkenntnis, dass unter denen, deren Exkommunikation vom Papst bedingungslos aufgehoben worden war, sich auch ein Holocaust-Leugner und handfester Antisemit befindet, stellte sich eine weitere Sorge ein, die das Kirchenleben im Inneren betrifft: Welche Bedeutung sollen oder dürfen die Reformvorhaben und Reformanstöße des Zweiten Vatikanischen Konzils gemäß den Vorstellungen des jetzigen Papstes für die Zukunft unserer Glaubensgemeinschaft haben?

Dass die Proteste vor allem von Kirchen- und Glaubenstreuen kommen, von Leuten, die hoch engagiert sind und Sonntag für Sonntag die Eucharistie feiern, muss alle sehr nachdenklich stimmen. Es zeugt von einer eklatanten Fehleinschätzung, wenn ein Kurienkardinal behauptet, es handele sich bei dem erregten Widerspruch um einen Ausdruck von „blankem Kirchenhass". Ist man im Vatikan tatsächlich derart realitätsblind? Sieht man nur noch, was man sehen möchte? Das kann doch nicht sein!

Peter Hünermanns Analyse

Zu denken geben muss auch, dass sich sehr besonnene, international hoch angesehene Gelehrte und Theologen wie Peter Hünermann mit außergewöhnlich scharfer Kritik zu Wort gemeldet haben. Der emeritierte Tübinger Dogmatikprofessor und Kenner der Dogmengeschichte schreibt in einer weitsichtigen Analyse der Vorgänge in der „Herder-Korrespondenz" (März 2009): „Die Aufhebung der Exkommunikation stellt eine Amtsausübung des Papstes dar, die in einer gravierenden Weise gegen fides et mores, gegen Glauben und Sitten verstößt. Diese Entscheidung ist meines Erachtens nichtig…" Hünermann erläutert, dass das Problem der aktuellen Krise nicht darin bestehe, dass im Vatikan schlampig gearbeitet worden sei oder dass man zwischen den verschiedenen Stellen nicht ausreichend kommuniziert habe. Auch gehe es nicht nur um den Antisemitismus des Lefebvre-Bischofs Williamson. Der Kernpunkt sei, dass auch ein Papst „die authentische Auslegung des Zweiten Vatikanums nicht von Verhandlungen mit einer schismatischen und häretischen Gruppe abhängig machen" darf. Hünermann sieht dadurch „das Vertrauen der Gläubigen in den Dienst des Petrus als Zeugen von Glauben und Sitte zutiefst erschüttert". Die päpstliche Entscheidung habe die Kirche in Gefahr gebracht, „Bischöfe und Priester zu haben und künftige Bischöfe und Priester kirchlicherseits auszubilden, die sich nicht zu Glauben und Sitte der katholischen Kirche bekennen". Allerdings beobachtet Hünermann, dass gewisse Irritationen dadurch ausgelöst wurden, wie der Papst selbst das letzte Konzil bewertet. Er bejahe es zweifellos, aber dessen Rezeption, also die Art seiner Aufnahme und Deutung bei den Gläubigen, betrachte er „völlig einseitig" negativ. Diese Rezeption sei in den Augen von Benedikt XVI. zu sehr von den „Progressisten" bestimmt gewesen. „Der Papst sieht die Akzeptanzkrise der Kirche in der modernen Welt und ist der Überzeugung, dass in der Rückgewinnung ganz traditioneller Kreise die Zukunft der Kirche liegt." Hünermann formuliert dann recht scharf: „Es liegt meines Erachtens - und ich betone: salvo meliori judicio (vorbehaltlich eines besseren Urteils) -, ein skandalöser Amtsfehler im theologischen Sinne vor." Dieser „Amtsfehler gegen Glauben und Sitten" müsse eingestanden und korrigiert werden. Nur so könnten Kirche, Papst, Kardinäle und Bischöfe „die öffentliche Handlungsfreiheit" zurückgewinnen.

Hans Maiers offenes Wort

In der Wortwahl weniger zugespitzt, in der Intention jedoch nicht minder deutlich äußerte sich auch der ebenso besonnene und integre Politik-, Kultur- und Religionswissenschaftler Hans Maier, früher bayrischer Kultusminister. In der „Neuen Zürcher Zeitung" (23. Februar 2009) plädiert er für eine Denkpause, gerade in der Kirchenleitung. Der Papst solle „auch seine eigene Sicht auf das Zweite Vatikanum … überdenken - jenes Konzil, an dem er führenden Anteil hatte, dessen Autorität er aber durch seine bisherigen Schritte gegenüber der Pius-Bruderschaft in Frage zu stellen droht. Benedikt XVI. betont immer wieder sehr stark die Kontinuität, die in der Kirchengeschichte walte, er wehrt sich gegen ‚diskontinuierliche' Auslegungen des Konzils. Aber in vielen Bereichen markiert das Zweite Vatikanum eben einen verpflichtenden Neuanfang, einen ‚point of no return'… Das Konzil ist kein totaler Bruch mit der Vergangenheit, aber es revidiert vieles in der Geschichte der Kirche - sei es aus gewachsener besserer Einsicht, sei es aus Reue über frühere Irrtümer und Verfehlungen. Die Kirche kann irren und hat geirrt. Sie kann sündigen und hat gesündigt."

Noch nie hat die CIG-Redaktion allein zu einem einzigen Thema derart viele emotional aufgewühlte Mails, Briefe und Anrufe erhalten. Übertroffen wurde das nur von jenem Echo 2005, als der CIG in einem umfassenden Themenkomplex zum Einstein-Jahr in der Folge des ostasiatischen Tsunami sehr ausführlich die Gottesfrage behandelte. Bis auf ganz wenige Ausnahmen äußerten alle Schreibenden großes Lob für unsere umsichtige, glaubenstreue, reformoffene und deutliche Berichterstattung. Unter den Rückmeldungen waren außergewöhnlich viele von Priestern, etliche aus jener Generation, die das Zweite Vatikanische Konzil ersehnt und erkämpft hat und die nicht bereit ist, sich diese Dinge immer mehr zurückschneiden zu lassen.

Diese nachdenklichen Leute, Laien wie Kleriker, sind, was den kirchlichen, religiösen wie theologischen Reformstau betrifft, das ständige diplomatische Beschönigen, Beschwichtigen, Verharmlosen, Darumherumreden leid. Sie wollen, dass „Klartext" geredet wird in den Gemeinden, den Bistümern, den „Landeskirchen" - bis zum Vatikan. Die jetzige Lefebvre-Geschichte war wohl nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Hinzu kommt eine psychologisch verständliche große Enttäuschung nach übergroßen Erwartungen an den Papst bei seiner Wahl vor vier Jahren. Immer wieder hieß es damals, er werde für Überraschungen gut sein. Die Hoffnungen richteten sich darauf, dass ein betont an der Tradition orientierter Theologe als Oberhaupt der Kirche gewisse Reformen besser einleiten könne als andere, ohne die Einheit zu gefährden.

Ein Benediktiner-Abt zum Beispiel schrieb uns: „Reform tut not! Vielen Dank für Ihren Kommentar. Mutig und berechtigt." Oder ein Pfarrer: „Endlich wird einmal gesagt, was Sache ist." Ein weiterer: „Ich danke Ihnen ganz herzlich für Ihr Engagement für unsere Kirche. Ihre Sicht der Situation und die gewählte Sprache sind für mich eine große Hilfe… Alle vorgebrachten Sorgen, die Nöte der Pfarrseelsorger, die verwaisten Gemeinden sind doch abgeprallt wie die Tropfen am Regenmantel und mildgütig belächelt und überbenediziert worden." Ein anderer Priester: „Ohne den CIG wüssten viele von uns nicht mehr, was sie denken und wie sie sich äußern sollen." Ein älteres Ehepaar: „Auf diesen Kommentar warten wir seit Jahren. Unser ganzes Leben haben wir als treue Katholiken in den Dienst der Kirche gestellt. Ich, der Ehemann, seit meinem zehnten Lebensjahr oft unter widrigsten Umständen im Schülerbund ‚Neudeutschland', als Leiter der Katholischen Aktion an meinem ersten Dienstort, als Pfarrgemeinderatsmitglied und -vorsitzender in verschiedenen Pfarreien, als ehrenamtlicher Leiter des örtlichen katholischen Bildungswerkes und ich, die Ehefrau, als erste Glaubenszeugin und Erzieherin von sieben Kindern, nebenbei noch Kommunionmutter usw. Was jeweils für uns menschenmöglich war, haben wir - gern - getan. Müssen wir, der Mann mit 79 Jahren und die Ehefrau mit 74 Jahren, hilflos zusehen, wie fünf Kinder nahe daran sind, aus der Kirche auszutreten, weil sie die einäugige Verlogenheit des offiziellen Kurses mit ihrem Gewissen nicht mehr vereinbaren können? Sie sprechen uns aus dem Herzen."

Die ernsten Sorgen Glaubender

Ein katholischer Kultur- und Erziehungswissenschaftler ergänzt: „Sie haben ein notwendiges Zeichen inmitten des Kleinredens, der Verniedlichung der aktuellen Kirchenpolitik des Vatikans gesetzt. Da sind nicht nur zufällig einige Kommunikationsprobleme in einer Verwaltung… Worin besteht in Zukunft der Konsens der Gläubigen? Wer gibt jungen Menschen eine moderne Perspektive des Glaubens in dieser Welt vor? Wer auf dem Land lebt wie ich, erfährt, wie gleichzeitig die Mitte wegbricht, da die Seelsorge der Pfarreien vorwiegend fremdbestimmt von außen verwaltet wird, kaum noch ein Seelsorger in und mit den Gemeinden lebt."

Ein Dozent an einer schweizerischen Pädagogischen Hochschule: „Sie haben es ausgezeichnet auf den Punkt gebracht. Die Verharmlosungen andernorts sind kaum noch zu ertragen. Danke!" Eine Leserin aus Oberbayern: „Es ist ein Glück, dass es noch ein kirchliches Presseorgan gibt, das die Missstände in unserer Mutter Kirche so deutlich ausspricht." Eine andere Leserin: „Ich sehe ein, dass unsere Bischöfe sich in einer fatalen Lage befinden. Sie sind in einer Zerreißprobe zwischen Gehorsamspflicht gegenüber dem Papst und den Nöten und Irritationen der Gläubigen." Ein Bischof aus Südafrika: „Danke für Ihren Mut, das offen auszusprechen, was Tausende fühlen, was uns trotzdem nur schwer über die Lippen kommt, was wir nicht genauestens durchschauen, was uns aber trotzdem wahrlich auf dem Herzen liegt."

Ein Missionar aus Brasilien klagt über das Unverständnis in der Weltkirchen-Leitung: „Wird die Beamtenschaft der Kurie in dieser Fastenzeit die Kenosis Gottes (Selbstentäußerung in Jesus Christus) meditieren, um vielleicht fundiert auf der Theologie des Apostels Paulus im ‚Paulusjahr' die Entleerung von Machtbefugnissen, die Verteilung von Kompetenzen auf Bischofskonferenzen, die Weitergabe von Zuständigkeiten vom Pfarrer auf die sogenannten Laien zu überdenken und vielleicht eine Reform in unserer Kirche als möglich zu erachten? Die armen Laien, die eine priesterliche, königliche und prophetische Hoheit in der Taufe geschenkt bekommen haben (Liturgiegebet der Taufe in Verbindung mit der Salbung mit Chrisam), ihnen ist die Spiritualität der Kenosis vom Klerusstand mit Autorität zugesprochen worden."

Kontinuität oder Korrektur?

Ein Innsbrucker Theologe bemerkt zum Spannungsfeld zwischen kontinuierlicher lehramtlicher Tradition und Brüchen in den Verstehenswelten: „In diesen Diskussionen wird … der tiefere Hintergrund zu wenig bedacht, … dass die … Pius-Bruderschaft mit Recht sagen kann, dass das Zweite Vatikanum insbesondere in der Frage des universalen Heilswillens Gottes (in „Lumen gentium", Art. 16, und „Gaudium et spes", Art. 22) in einem klaren Widerspruch zu früheren verbindlichen kirchlichen Lehraussagen steht, so zum Konzil von Florenz in dem Dekret für die Jakobiten (Denzinger-Hünermann 1351), wonach alle Nichtkatholiken ‚in das ewige Feuer wandern werden'. Mit der neuen Einsicht des letzten Konzils verbunden sind eine positive Haltung der Kirche zu den anderen Religionen und die Anerkennung der Religionsfreiheit. All das bedeutet eine inhaltliche Korrektur früherer Lehrentscheidungen, wie auch die Reform der Messliturgie ein anderes Kirchenbild und Priesteramtsverständnis voraussetzt. Beides war allerdings im Konzil mehr in Form von Visionen präsent als in realen Beschlüssen und wird daher von den Traditionalisten abgelehnt. Nichtsdestoweniger ging das Zweite Vatikanum noch davon aus, dass es in den Glaubenswahrheiten nur eine Verbesserung der ‚Aussageweise, auch wenn diese immer denselben Sinn und Inhalt meint' (so Johannes XXIII. in der Eröffnungsansprache), oder ein besseres Verständnis sowie eine weitere Entfaltung der geltenden Lehre geben kann (vgl. „Dei verbum", Art. 8, unter Berufung auf das Erste Vatikanum). Die faktisch vorgenommenen inhaltlichen Änderungen wurden als solche nicht thematisiert oder sogar ausdrücklich abgeleugnet (so in „Dignitatis humanae", Art. 1). Daher befinden sich die katholische Kirche und ihr Papst in dem Dilemma, entweder anzuerkennen, dass es auch inhaltliche Korrekturen bisher verpflichtender kirchlicher Lehren geben kann…, oder aber unter allen Umständen zu versuchen, die Kontinuität des letzten Konzils mit der Tradition zu verteidigen… In diesem Sinn ist auch das Bemühen von Papst Benedikt zu verstehen, die Pius-Bruderschaft gleichsam ‚um jeden Preis' dafür zu gewinnen, ihren Widerstand gegen das letzte Konzil aufzugeben, auch wenn er damit großen Schaden verursacht. Die zuerst genannte Lösung würde ein Ende des Absolutheitsanspruches kirchlicher Wahrheitsverkündigung bedeuten, aber deshalb noch keinen Relativismus, den der Papst mit Recht ablehnt. Dieser wäre das andere Extrem. Dazwischen liegt der Weg eines mühsamen Ringens um die immer besser zu erkennende Wahrheit, die allerdings kollegiale Entscheidungsstrukturen unter dem Anspruch der Einmütigkeit voraussetzen würde."

Die sichtbar gewordenen Widersprüche im Kirchenverständnis spricht auch ein Leser aus Passau an: „Entweder legitimiert der Papst eine Weihe von Bischöfen auch in solchen Teilen der Kirche, die lehrmäßig erhebliche Abweichungen von der … Lehrmeinung vertreten - und zwar in wichtigen Punkten, wie sie vor allem die Liturgie und das Kirchenverständnis, aber auch Ökumene und Religionsfreiheit darstellen - und relativiert damit den Tatbestand des Schismas in kirchenrechtlicher, aber auch dogmatischer Hinsicht. Oder aber der Papst klassifiziert die Beschlüsse des letzten Konzils als unverbindlich und letztlich nicht bindend für die Katholiken."

Ein Theologieprofessor vom Mittelrhein stellt fest, dass die traditionalistische Gruppierung „auch eine persönliche Tragödie für Benedikt XVI. geworden" sei. „Und für seine Theologie. Als Vollblut-Dogmatiker hat er auch schon immer Vorbehalte gegenüber dem pastoral orientierten Konzil geäußert und dessen Interpretation in seinem Sinne gefordert (was andere auf andere Weise übrigens auch tun). Wer auf das katholische Wahrheitsverständnis pocht, muss sich schwertun mit dem Konzil und dessen Öffnung zur Moderne."

Aus Bayern antwortet uns ein Mathematiker und Physiker: „Es steht … zu befürchten, dass dieser reflexartig wiederkehrende Impuls gegen die Moderne - die einem Teil der Kirche, wie der Jesuitenpater Henri Boulad sagte, ‚wie eine Gräte im Hals steckt' - in seiner Absurdität und Lächerlichkeit den Glaubensverlust weiter befördert."

Und die Befreiungstheologen?

Oft wird in den Briefen Bezug genommen auf den „Geist des Konzils", der allerdings bei jenen, die eine traditionalistische Auslegung pflegen, als eigenständiges Phänomen geleugnet beziehungsweise als zu schwammig bezeichnet wird. Ein Ehepaar erklärt: „Wir hätten vorgewarnt sein müssen. Schon das römische Dokument ‚Dominus Jesus', für das der damalige Präfekt der Glaubenskongregation hauptverantwortlich war, atmete einen anderen Geist."

Ein Studiendirektor aus Nürnberg sieht die Balance verschiedener notwendiger theologischer Gewichte in der katholischen Kirche gekippt: „Ich denke an den Barmherzigkeits-Hinweis, mit dem Rom oder der Papst den Piusbrüdern bedingungslos entgegengekommen ist - nach den vielen Rückwärts-Trippelschritten. Diesen Königsweg der Barmherzigkeit erhoffen sich gar viele gemaßregelte oder an den Rand gedrängte Christen von der Kirche… In Südamerika könnte man statt Opus-Dei-Aufbau auf die Befreiungstheologen bauen - und ihnen entsprechend entgegenkommen! Eigentlich geht es dabei mehr um Gerechtigkeit als um Barmherzigkeit… Und schließlich brauchen unsere Gemeinden, braucht unsere Kirche im pastoralen Bereich statt Ausblutung nun wirklich Barmherzigkeit und Vernunft, um personell vernünftig und glaubwürdig arbeiten zu können." Eine Leserin aus Mittelfranken bestärkt diese Sicht: „Ich würde mir wünschen, dass zum Beispiel die Befreiungstheologen Südamerikas mit der gleichen Großzügigkeit rehabilitiert werden."

Ein Augsburger Leser sagt kurz und bündig an die Adresse des CIG: „Es ist nur ein Glück, dass es den Katholizismus, den Sie vertreten, auch noch (oder schon) gibt, sonst müsste man am Fortbestand der Kirche zweifeln."

Was wir hier dokumentieren, ist nur ein winziger Ausschnitt aus dem großen Meinungsspektrum unserer Leserinnen und Leser. Aber es zeigt, wie bewegt sich viele Menschen mit ihrem Glauben, mit ihrem Christsein und Kirchesein befassen und wie wichtig ihnen dabei auch das kirchliche Lehramt ist, seine Glaubwürdigkeit, das Vertrauen in Entscheidungen des Papstes. Aus allen Briefen atmet ein positiver Geist, dass wir das Lehramt notwendig brauchen, ein gutes, verständnisvolles, vor allem aber der Zukunft zugewandtes, nach vorn weisendes Lehramt.

Die Lehre aus der Geschichte

Wir wollen nicht verschweigen, dass wir auch ganz wenige hasserfüllte Hetzbriefe (von Nicht-Abonnenten) bekommen haben, die aber doch bezeichnend sind für jene extremistische Minderheit, die sich am rechten Rand der katholischen Kirche tummelt und die mit persönlichen Beleidigungen und Verunglimpfungen arbeitet, teilweise denunziatorisch mit ihren Anliegen Kirchenleitungen bestürmt oder gar an ihren Bischöfen vorbei sich in Rom über ihre Oberhirten beschwert und diese als unzuverlässige Glaubenswächter anschwärzt. Leider scheinen solche Leute im Vatikan da und dort durchaus mit offenem Gehör rechnen zu können. Beispielsweise heißt es über uns: „Dieses Hetzblättchen, das man längst nicht mehr ernst nehmen kann… Nach 31 Jahren habe ich meine Bemühungen eingestellt - es ist gewollt, dass solche Leute an den richtigen Stellen sitzen, uns bleibt nur abzuwarten, bis Gott selber diesen Saustall wieder aufräumt, das schafft noch nicht einmal unser heiligmäßiger Papst Benedikt XVI."

Kommentare dazu erübrigen sich. Nicht allerdings erübrigt sich die Frage, wie es weitergehen kann mit dieser Kirche, in einer Haltung der Versöhnung, aber auch in streitbarer konstruktiver Auseinandersetzung über den richtigen Weg, wie uns das eine lange Tradition der Kirchengeschichte mit ihren Konzilien lehrt, die oft genug alles andere als harmonisch verliefen. Der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Stefan Vesper, schrieb in der „Welt": „Es gibt auch Hoffnungsvolles: das gemeinsame Einstehen aller in der katholischen Kirche … in diesen Tagen, Bischöfe, Priester und Laien, gegen jeden Antisemitismus und für das Konzil. Ein Einstehen, das sich natürlich nicht gegen den Papst richtete; schließlich verbinden wir Katholiken uns in jeder Eucharistiefeier ausdrücklich und namentlich mit dem Papst und dem Ortsbischof, also mit der ganzen Kirche in der Welt und der ganzen Kirche, wie sie in unserem Bistum lebt. Ein gemeinsames Einstehen, das dennoch bemerkenswert und angesichts mancher Spannungen eine wohltuende Erfahrung war."

Das gilt auch und gerade für unsere CIG-Leserschaft. Für deren Vertrauen und diese Liebe zur Kirche, zum christlichen Glauben in allen Schwierigkeiten und Richtungskämpfen sind wir als Redaktion sehr dankbar.



CIG 11/2009

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