69. JAHRGANG 2017WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DEFREIBURG, 24. September 2017


Nachhilfe oder vergiftete Torte?
Von CIG-Redaktion
Bei den Gesprächen einer vatikanischen Kommission mit den Führern der traditionalistischen Lefebvre-Bewegung kann es nicht darum gehen, verschiedene theologische Positionen in Einklang zu bringen oder das Zweite Vatikanische Konzil neu zu interpretieren, damit „irgendwelche Kompromissformeln" möglich werden. „Es handelt sich eher um theologischen Nachhilfeunterricht." Das betont Bischof Gerhard Ludwig Müller von Regensburg, der selbst der Glaubenskongregation angehört. Man sollte auch nicht so tun, als träfen hier die kirchenleitenden Organe beider Seiten zusammen. „Die Piusbruderschaft ist keine Kirche. Sie muss sich vor dem Lehramt rechtfertigen, nicht umgekehrt."

Ziel der Gespräche müsse es sein, das „neuscholastische Denken der fünfziger Jahre" zu überwinden, in dem sich die Bruderschaft „eingebunkert" habe. „Sie müssen jetzt erst einmal Anschluss an die aktuelle Theologie finden." Müller glaubt, dass die Ablehnung der zentralen Konzilsaussagen zu Ökumene und Religionsfreiheit durch die Piusbrüder „auf Verwechslungen, Missverständnissen und Dialogverweigerung" beruht. Am Ende müssten sie selbst entscheiden, ob sie „an ihren irrigen Auffassungen festhalten" oder ob sie „wirklich in die Kirche zurückkehren wollen".

Deutlich kritische und in ihrer Klarheit befreiende Worte fand Müller für die Tätigkeit der päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei" unter Kardinal Castrillon Hoyos, dessen altersbedingter Rücktritt vom Papst gerade angenommen wurde. Ihre bisherige Arbeit habe „in einem Fiasko" geendet, in dessen Folge der Papst einen „massiven Ansehensverlust" hinnehmen musste. Daher sei es notwendig gewesen, dass diese Kommission nun der Glaubenskongregation unterstellt wird. Jetzt befinde sich die „Angelegenheit disziplinär und theologisch im richtigen Fahrwasser". Anders als viele Vatikan-Experten geht Müller davon aus, dass die Sache bald entschieden werden kann. „Die Sachlage ist klar, deshalb sollte das dieses Jahr über die Bühne gehen, damit endlich das Ärgernis der Abspaltung aus der Welt geschafft wird."

Der Holocaust-Leugner Richard Williamson, der die Welle der Empörung nach der Aufhebung der Exkommunikation für die Lefebvre-Bischöfe ausgelöst hatte, sagte unterdessen der italienischen Zeitung „La Stampa", die Mehrheit der Lefebvre-Leute sei gegen ein Abkommen mit Rom. Das „Motu proprio", in dem der Papst die theologischen Gespräche angekündigt hatte, sei „eine vergiftete Torte", die man in den Papierkorb werfen müsse.

CIG 29/2009

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